Für den Rest des Tages fuhr sich das Auto unspektakulär wie alle Autos seiner Größe: übersichtlich und federleicht. Ein Polofiestacorsapunto. Auch größere Menschen können ein- und aussteigen, ohne Schaden zu nehmen. Nur auf die Rückbänke muss man sich zwängen wie eingecremt in eine Nylonstrumpfhose. Wer es einmal dorthin geschafft hat, will am liebsten gleich die folgenden Nächte und Tage dort bleiben, damit er die Prozedur nicht allzu bald wiederholen muss. Der Kofferraum bietet auch genügend Platz für Decken und Proviant.

Bei einem Ausflug zum Saarbrücker Filmfest wurde die Diva dann zum Kumpel. Nein, wie in einer Limousine fühlte man sich wirklich nicht im Lancia Ypsilon, nicht grundlos glamourös und bedeutend wie die Menschen mit den Schlüsselbändern und Akkreditierungskärtchen. Aber so klein, wie der Wagen war, fand er auch direkt vor den Kinos noch einen Parkplatz. Wendig konnte er um all die Passanten herumkurven, die sich, noch versunken in das eben Gesehene, wenig um die Gefahren des Autoverkehrs scherten. Außerdem brachte er seinen Nutzer auch nach dem Spätfilm gut nach Hause, als längst keine Straßenbahn mehr fuhr. Ein solcher Spätfilm hieß Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr… Und erzählte er nicht genau die Geschichte des Lancia? Er handelte von einer Frau aus Italien, ziemlich schön und sehr reich, die in Paris nicht besonders gut zurechtkam. So wie der Ypsilon in Deutschland. Der ist zu schön für dieses grobe Land, zu italienisch für die Härte Berlins und Saarbrückens, und so viele Männer mit taubenblauer Handtasche gibt es hier auch nicht.

Am folgenden Tag war er verschwunden. Einfach weg. Als meine übermüdeten Augen ihn endlich erspähten, stand er an einer Straßenecke, an der ich ihn bestimmt nicht abgestellt hatte. Irgendwas war da faul.

Es konnte nur eine Erklärung geben: Er musste geflohen sein. Vor der Kälte, vor den hässlichen Autonachbarn, vor seinem langweiligen Fahrer. Er hat sich für eine Nacht losgemacht, ist auf und davon, über die Alpen, hat vielleicht einen Kaffee getrunken und ist wieder zurück. Und weil morgens natürlich alle Parkplätze weg sind, hat er sich eben woanders hingestellt und zu allem sein schönstes Gesicht gemacht.

PS Nächste Woche am Start: Götz Hamann, ZEIT-Redakteur Ressort Wirtschaft, im Lexus LS 430