Zwei Initiativen in den USA wollen nun Abhilfe schaffen. In San Francisco wurde in einer Kooperation aus Wissenschaft und Wirtschaft die German Scholars Organisation (GSO) gegründet. In New York entstand ein Netzwerkprojekt mit dem gewinnenden Namen Gain (German Academics International Network), ein Gemeinschaftsprojekt des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Alexander von Humboldt-Stiftung.

Für diese Initiativen sei es höchste Zeit, finden viele Jungforscher, die sich mitunter wie im Exil allein gelassen fühlten und nicht den Eindruck hatten, zu Hause willkommen zu sein. Nun werden die "German Scholars" in Datenbanken erfasst, die GSO richtete eine Jobbörse ein und bietet ab Sommer 2004 Bewerbungstrainings an; Gain will vor allem den Erfahrungs- und Informationsaustausch fördern. Das Wissen der Exilforscher soll so für Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Humboldts Stammland genutzt werden.

Bedarf ist ohne Zweifel da. Immerhin 14 Prozent aller in Deutschland promovierten Wissenschaftler gehen zeitweise oder dauerhaft in die USA, berichtet Katja Simons, Leiterin des New Yorker Netzwerkprojekts. Die Zahl ist ein Schätzwert, offizielle Statistiken fehlen. Sicher ist jedoch, dass immer mehr Natur- und Ingenieurwissenschaftler über ihre Promotion hinaus in den Vereinigten Staaten bleiben. Eine von der National Science Foundation finanzierte Studie berichtet, dass von den Deutschen, die 1996 ihren Doktortitel an einer amerikanischen Hochschule erlangten, 2001 noch jeder Zweite in den USA arbeitete.

Die German Scholars Organisation möchte diesen Trend umkehren. "Wir müssen dafür sorgen, dass die Deutschen wieder nach Hause kommen", sagt GSO-Präsident Eicke Weber. Der in Köln habilitierte Physikprofessor, der seit 20 Jahren in Berkeley forscht, hat auch persönliche Motive für sein Engagement. Weber fühlt sich nach wie vor dem deutschen Bildungssystem verpflichtet, das ihm ein kostenloses Studium ermöglichte und ihm mit dem Bafög-Vorläufer Honnefer Modell seinerzeit den Lebensunterhalt sicherte.

Wolfgang Benz vom Berliner Pharmakonzern Schering AG, Vizepräsident der GSO, hat vor allem die internationale Konkurrenz im Blick: "Wir wissen, dass die Besten der Besten in den USA sind. Aber wir wissen nicht, wie wir an sie herankommen sollen." Aus seiner Sicht verbindet sich das Interesse der Industrie an guten Arbeitskräften bestens mit dem nämlichen Interesse des Wissenschaftsbetriebs. "Wir müssen nur endlich dafür sorgen, dass die Sphären durchlässiger werden und ein Jobwechsel zwischen Wirtschaft und Wissenschaft leichter wird."

"Die sollen haufenweise kommen und den Betrieb umkrempeln", wünscht sich auch Helmut Schwarz, Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die die meisten Stipendiaten in die Neue Welt schickt. Doch bei den Auslandsdeutschen gibt es eine Menge Unsicherheiten. Alexandra Kiemer, die am renommierten Scripps Research Institute in Kalifornien forscht, nennt nur einige von ihnen: "Es gibt die Angst, zu alt zu sein, die Unsicherheit, ob man habilitieren oder ob man sich für eine Juniorprofessur bewerben soll." Wesentlichen Anteil an der Verwirrung haben die Neuregelungen im deutschen Hochschulrahmengesetz von 2002.

Um es Rückkehrern leichter zu machen, überlegt man daher bei der DFG, die Richtlinien umzukrempeln. "Bei unseren starren Kriterien gehen uns die kreativsten Köpfe oft verloren", weiß Schwarz. Er plädiert zum Beispiel für die Abschaffung der bestehenden Altersgrenzen bei Förderprogrammen. Wer ins Emmy-Noether-Programm aufgenommen werden will, das Nachwuchsforscher für die Hochschullehrerlaufbahn qualifizieren soll, darf bislang nicht älter als 30 Jahre sein. Kreative Umwege sind da nicht drin.