Auch ein viel beklagter Baufehler der Juniorprofessur wird nach und nach korrigiert. Bislang war in Deutschland die Möglichkeit des tenure track, die "Beförderung" vom Junior- zum ordentlichen Professor bei herausragenden Leistungen, nicht vorgesehen. Das, so sagen viele junge Forscher, sei eines der Haupthindernisse für eine Rückkehr. Für Alexandra Kiemer etwa erwies sich nach der Habilitation ihre Münchner Heimatuniversität als Sackgasse. "Will ich unabhängig sein, muss ich meine Uni verlassen, mich woanders um Professoren-Planstellen bewerben und hoffen, dass ich irgendwann zum Zuge komme." Bei der Stellensuche musste sie indessen erfahren, dass sie mit 32 zu jung sei für eine Professur. In den USA war das Alter kein Problem.

Doch in den deutschen Wissenschaftsbetrieb ist Bewegung gekommen. Inzwischen bieten Universitäten in acht Bundesländern verschiedene Modelle des tenure track an. Damit, so hofft man, soll Spitzenforschern die Heimkehr schmackhaft gemacht werden.

Bezahlung nach BAT schreckt

Um wirklich die besten Köpfe anzuziehen, reichen diese Korrekturen kaum aus. Denn Amerika hat noch mehr zu bieten, was kluge Köpfe glücklich macht – Freiheit, Unabhängigkeit, Flexibilität und Eigenverantwortung. Viele Rückkehrwillige kritisieren zum Beispiel die fehlende Möglichkeit, früh eigene Nachwuchsgruppen zu leiten, hat Gain-Leiterin Simons erfahren. Was außerdem fehle, sei eine leistungsgerechte Bezahlung.

Auch Stefan Zimmermann kann sich nicht mehr vorstellen, in Deutschland dasselbe wie vor sieben Jahren als Forschungsassistent zu verdienen. Schließlich habe er seither mehrere Projekte geleitet und zahlreiche Forschungspreise gewonnen. Doch solche Entwicklungssprünge belohnt der öffentlich-rechtliche Bundesangestelltentarif nicht – in dessen starren Strukturen ist die Vergütung oft völlig von der Leistung abgekoppelt. Daher fordern viele Rückkehrer eine flexiblere Bezahlung. Ins selbe Horn stößt DFG-Vize Helmut Schwarz mit seiner Forderung nach einem angemessenen Wissenschaftlertarif. Schließlich seien die jungen Spitzenforscher allemal leistungsbereit.

Dieses Engagement könnte die Forschung hierzulande gut gebrauchen. Umgekehrt hat Deutschland den Rückkehrern durchaus etwas zu bieten – nicht nur den Charme der Heimat, sondern auch eine vielfach gute Grundausstattung und eine langfristigere Anlage von Forschungsprojekten, die viele Auslandsdeutsche in den USA vermissen. Dort bringen Forscher oft ein Drittel ihrer Arbeitszeit damit zu, Anträge zu schreiben, von denen dann gerade mal 20 Prozent bewilligt werden. "Nach drei Jahren überrascht es mich immer noch, wie sehr das tägliche Arbeiten auf Ergebnisse und Leistung fixiert ist. Was kurz- oder langfristig kein Geld einbringt, wird nicht finanziert", klagt Perihan Nalbant. Auch der Physikprofessor Eicke Weber beschreibt das besondere amerikanische Verhältnis von Geist und Geld: "Ohne Drittmittel kann ich nicht einmal mein Telefon bezahlen." Das, zumindest, ist ein klarer Standortvorteil für Deutschland.