Am Ende der langen Reise steht ein Memento mori: "Es ist der alte Bund: Mensch, du musst sterben!" - Actus Tragicus, BWV 106, eine Kantate aus Bachs frühen Mühlheimer Tagen. Aber der Tod wird gar nicht drohend von der Kanzel gepredigt. Ganz leicht und lebendig und beschwingt tritt er einem entgegen.

Fast möchte man ein Tänzchen mit ihm wagen. Das liegt an Ton Koopman, dem holländischen Dirigenten und Organisten, der, wenn er Bach aufführt, am liebsten auf pietistische Strenge verzichtet und mit flüssigen Tempi und seinem beweglich genauen Deklamationsstil dem Lebensnerv der Musik nachspürt.

Seit zehn Jahren arbeitet sich Koopman durch Bachs Kantatenwerk. Beharrlich hat er es mit seinem Amsterdam Baroque Orchestra and Choir Stück für Stück in Konzerten vorgestellt und anschließend für die CD aufgenommen. Nun hat er die allerletzten Konzerte des Riesenprojekts in Hamburg und in der Leipziger Thomaskirche dirigiert und erneut gezeigt, dass er zu den besten Bach-Interpreten unserer Tage zählt. Wunderbar spielen seine Instrumentalisten, ausdrucksintensiv singt sein kleiner Chor. Erstklassige Solisten (von Deborah York bis Christoph Pregardien) hat er um sich versammelt. Koopman ist angekommen. Und in zwei Jahren sollen auch die 67 CDs mit den Kantaten komplett vorliegen.