Kim befiehlt: 5000 Ziegen!

Das Land wird auf eine betörend naive Weise über Führerbefehle regiert, die gläubig und blind befolgt werden. Wir erleben das in einem Vorzeigeprojekt in Kyenam-Ri in der Provinz Süd-Hwanghae. Dort gibt es eine riesengroße Viehfarm, die der "geliebte Führer" zuletzt am 17. Juni 2003 besuchte. Sein Befehl lautete damals: Die 3000 Ziegen sind nicht genug, es sollen 5000 werden - außerdem 2300 Schweine, 10 000 Kaninchen und ebenso viele Hühner.

Alles jedoch, was wir von der Straße aus zu sehen bekommen, sind verdächtig stille Viehhallen, aus denen kein Laut von Ziegen oder Schweinen dringt. Auch Kühl- oder Milchtransporter suchen wir vergeblich.

Später werden wir in das Hospital Nr. 1 von Haeju geführt. Jetzt, im Winter, werden die Patienten in dem 300-Betten-Krankenhaus nur ambulant behandelt, ohne Heizung ist es zu kalt zum Übernachten. Wir bieten an, das Haus mit Biogas- und Solaranlagen auszustatten. Die einzige Bedingung: Die vier deutschen "Grünhelme" müssen in dem Hospital wohnen und ohne Geheimdienst-Aufpasser arbeiten können. Noch ziert sich Pjöngjang. Aber wir spüren: Der Widerstand lässt nach. Im Grunde will man das Projekt.

Das Regime hat es schwer, Reformen anzugehen - ein Gottesherrscher kann keine Fehler zugeben. Und dennoch gibt es keine Alternativen zu einer Politik des slow landing oder - mit Egon Bahr ausgedrückt - des "Wandels durch Annäherung". Die Vereinigten Staaten können Nordkorea nicht in die Zange nehmen wie den Irak. Da steht China vor. Peking fühlt sich in der Pflicht, Nordkorea nicht implodieren zu lassen. Ganz ähnliche Sorgen macht sich Südkorea. Deshalb wird es zu einem Angriff auf das Land nicht kommen können.

Slow landing. Diese Politik besagt: Versuchen wir die äußerste Verarmung und Verelendung abzuwenden, um einen Zusammenbruch des Landes zu vermeiden und den Weg zur Wiedervereinigung der beiden koreanischen Landeshälften zu befördern. Erste Anzeichen einer Öffnung gibt es. Die in Japan lebenden Koreaner bringen viel Geld ins Land. Handys (freilich nur für die Kommunikation innerhalb Nordkoreas) sind zu sehen. Fiat bringt jeden Monat 200 Autos eines Typs in das Land, den die italienische Firma anderswo nicht verkaufen kann. Die Autos werden in einer Fabrik zusammengeschraubt, die von der Moon-Sekte gesponsert wurde.

E-Mails gegen das Betonregime