Die Bank hat den Kreditantrag abgelehnt? Trotz guten Einkommens und tadelloser Schufa-Auskunft? Das kann am Score-Wert liegen. Zusätzlich zur Bonitätsauskunft erhält die Bank nämlich von der Schufa eine statistische Hochrechnung über die Wahrscheinlichkeit eines Kreditausfalls. Anhand von Vergleichspersonen mit ähnlichen Merkmalen errechnet die Schufa, wie groß das Risiko eines Kreditausfalls ist.

Je mehr Personen mit ähnlichen Schufa-Daten in den letzten 15 Monaten in Zahlungsschwierigkeiten geraten sind, umso schlechter wird der Score-Wert. Die Bewertung reicht von Null (Ausfallrisiko 34,75 Prozent) bis 1000 (Ausfallrisiko 0,85 Prozent). Welche Kriterien in welcher Gewichtung berücksichtigt werden, will die Schufa nicht verraten. "Die haben Angst, dass sich schlechte Schuldner durch das passende Verhalten eine gute Einstufung erschleichen können", meint ein Banker. Betont wird jedoch seitens der Schufa, dass weder Nationalität noch Wohnort – gemeint sind soziale Brennpunkte – eine Rolle spielt.

Damit entpuppt sich die Schufa noch als vergleichsweise harmloser Scoring-Anbieter. Weitaus weniger zimperlich ist die CEG, eine Tochter der Auskunftei Creditreform, mit ihren "Dynamischen Konsumenteninformationen". Neben den üblichen Bonitätsauskünften preist man bei CEG die Einbeziehung von Geodaten in den Score an. Hinter diesem vornehmen Begriff verbirgt sich schlichte Schnüffelei am Wohnort. Bewohner von Einfamilienhäusern in gesuchten Vierteln bekommen Pluspunkte, während es fürs Wohnen in Mehrfamilienhäusern, womöglich noch in Gebieten mit gewerblicher Mischnutzung, kräftige Abstriche gibt. Der sparsame Firmenchef, der für seine Familie ein Penthouse aufs Firmendach gebaut hat, fällt dabei möglicherweise durchs Raster.

Beunruhigend liest sich eine Musterauskunft, mit der CEG im Internet wirbt: "Extrem gewerblich genutzte Straße, leicht überdurchschnittlicher Anteil von Familien mit Kindern, 40 bis 50 Prozent der umliegenden Bewohner sind über 60 Jahre alt, der Kaufkraftindex der 400 umliegenden Haushalte liegt bei 146,45 Punkten." Angesichts solcher Details darf man sich durchaus beobachtet fühlen.

Auch der Pforzheimer Scoring-Anbieter Informa wirbt mit Systemen zur Kundendurchleuchtung, die möglicherweise so manchen Geheimdienst neidisch machen könnten. Informa verknüpft dazu Bonitätsdaten mit Adress- und Verbraucherdaten des Direktmarketing-Konzerns Schober – der praktischerweise Gesellschafter der Informa ist. Die auf diese Weise gewonnenen Verbraucherprofile werden jährlich in den so genannten Lifestyle-Umfragen ermittelt. Inzwischen befinden sich detaillierte Daten zu Familie, Konsumverhalten, Einkommen und Vermögen von 3,5 Millionen Haushalten in der Schober-Datenbank. Lohn der Schnüffelwut: Im Jahr 2001 erhielt die Informa den "Big Brother Award", einen von Datenschutzverbänden initiierten Negativ-Orden für den besonders fragwürdigen Umgang mit persönlichen Daten.

Thomas Hammer