In seinem jüngsten Prüfbericht monierte das Regierungspräsidium Darmstadt – als für die Schufa zuständige Aufsichtsbehörde – mehrere Fälle von Personenverwechslungen, bei denen wegen Namensgleichheit unbescholtene Verbraucher als schlechte Schuldner eingestuft und weitergemeldet wurden. Diese Kritik nehme man ernst, versichert die Schufa. "Sämtliche Verwechslungsfälle werden gründlich analysiert", sagt Sprecher Stefan Horst. Die Ergebnisse würden unter anderem bei Schulungen verwertet. Außerdem würden mittlerweile interne Warnmeldungen bei Namensgleichheiten innerhalb der Schufa-Datei deutlicher hervorgehoben.

Ein weiterer Risikofaktor liegt in der Verlässlichkeit der gemeldeten Daten – vor allem wenn es um geplatzte Kredite und Forderungen geht. Hier gilt nämlich: Wurde eine Forderung vom Kunden nicht als unberechtigt zurückgewiesen, darf sie nach mehrfacher Mahnung der Schufa gemeldet werden. Wurde jedoch der Rechnungsbetrag aufgrund einer Reklamation zurückgehalten, gilt die Forderung als "strittig" und darf der Schufa nicht gemeldet werden.

Firmen schwärzen Kunden an

Daran halten sich jedoch nicht alle Schufa-Lieferanten. So ist es durchaus schon vorgekommen, dass nicht bezahlte Handyrechnungen als geplatzte Forderungen gemeldet wurden, obwohl vom Kunden begründete Reklamationen vorlagen. Die Folge: Aufgrund des unberechtigten Negativmerkmals wurden Kreditanträge und Warenlieferungen gegen Rechnung plötzlich abgelehnt. "Kleine Missverständnisse können dann plötzlich zu existenziellen Finanzproblemen führen", warnt Datenschützer Weichert.

Dass nach dem Hinzukommen der Wohnungsunternehmen auch im Zuge von Mietstreitigkeiten vermehrt falsche Negativmerkmale gemeldet werden, gilt als wahrscheinlich. Die Schufa will daher die Informationen ihrer Lieferanten stärker als bisher unter die Lupe nehmen. In Stichprobenkontrollen wird geprüft, ob als geplatzt gemeldete Forderungen wirklich unwidersprochen sind. "Falschmeldungen können bei Wiederholung sogar zum Ausschluss des Vertragspartners führen", sagt Schufa-Sprecher Horst.

Wer sich nichts hat zuschulden kommen lassen und trotzdem von Lieferanten oder Kreditgebern aufgrund eines Schufa-Eintrags abschlägige Bescheide erhält, sollte umgehend die Vorlage seiner Schufa-Auskunft fordern. Dagegen wehren sich die Banken oft – zu Unrecht. "Gemäß Paragraf34 des Bundesdatenschutzgesetzes muss die Bank vollständig Auskunft erteilen", schreibt das Regierungspräsidium Darmstadt in seinem Schufa-Bericht. Unstimmigkeiten können auch der Schufa direkt telefonisch oder schriftlich mitgeteilt werden. Nach Eingang der Beschwerde werde umgehend geprüft, ob der Negativeintrag stimme, und die Korrektur erfolge meist innerhalb eines Tages, heißt es dort.

Über das Informationsgeschäft hinaus versucht die Schufa jetzt auch in weiteren Geschäftsfeldern Fuß zu fassen. Nicht nur im Kreditgeschäft sind die Wiesbadener aktiv, wo Software für die Kreditverwaltung angeboten wird. Seit kurzem wird die Verwaltung von Riester-Fondsdepots für Investmentgesellschaften offeriert. "Als ersten Kunden hat die Schufa eine führende deutsche Investmentgesellschaft gewonnen", heißt es in einer Mitteilung. Nach Informationen aus Branchenkreisen handelt es sich dabei um die Sparkassen-Tochter Deka. Zwischen Depotverwaltung und Bonitätsauskunft bestehe jedoch keinerlei Verbindung, betont Schufa-Sprecher Horst. "Beide Bereiche sind strikt getrennt, und das wird auch von den Aufsichtsbehörden überwacht."