Vielen Dank für den schönen Artikel von Herrn Leicht. Pericula in moro bedeutet allerdings nicht "im Verzug liegt die Gefahr", sondern entweder - mit einer leicht surrealen Note - "Gefahren liegen im Maulbeerbaum" oder "Gefahren liegen im Narren", eine zweifellos wahre (aber hier wohl nicht intendierte) Aussage. Das von Herrn Leicht Gemeinte müsste periculum in mora lauten, die lateinische Entsprechung von "Gefahr (liegt) im Verzug", ein heute noch in juristischen Kontexten gebräuchlicher Ausdruck, für dessen Herleitung man auf Livius, Römische Geschichte, 38, 25, 13, verwiesen wird, wo es um das Verhalten in einer Schlacht geht ("Postremo, cum iam plus in mora periculi quam in ordinibus conservandis praesidii esset, omnes passim in fugam effusi sunt", also: "Zuletzt, als schon mehr Gefahr darin lag, noch länger zu warten, als Sicherheit darin, wenn sie in Schlachtordnung blieben, stoben sie alle nach allen Seiten in wilder Flucht davon"). Wer nun den Anwurf "periculum in mora" mit einem lateinischen Zitat parieren will, dem sei folgender Ausschnitt aus Ovid, Festkalender, 3, V. 394, empfohlen: "Habent parvae commoda magna morae", zu Deutsch: "Gut Ding will Weile haben."

Dr. Boris Dunsch, Greifswald Institut für Altertumswissenschaften der Ernst-Moritz-Arndt-Universität