Die Chirurgie ist an sich schon schwierig. Da ziehen sich an den unmöglichsten Stellen Nerven durchs Gewebe oder lebenswichtige Blutgefäße durch die Körperhöhlen, und immer manövriert das extrem scharfe Skalpell in unheilvoller Nähe. Das stresst den Arzt. Und dann kommen noch die Patienten mit ihren speziellen Wünschen. Die einen drängen auf ansprechende Narben – die anderen klagen über zerstörte Tatöwierungen, weil ihr Haut-Kunstwerk nach der Operation nur noch Stückwerk ist.

Was eine sorglose Schnittführung anrichten kann, beschrieb jüngst das British Medical Journal. Herzchirurgen spalteten den Brustkorb eines Patienten für eine Herzoperation. Dabei mussten sie mitten durch das wenig filigrane Bild eines Grabsteins schneiden. Nach dem Eingriff zog sich durch die Verzierung ein hässlicher Absatz. Noch problematischer war die Entnahme eines Blutgefäßes aus dem Bein eines Mannes. Vor dem Eingriff verkündete der Besitzer am Unterschenkel noch I love women, nach der Schneidearbeit war dort krakelig I love men zu lesen – das wo war dem Messer zum Opfer gefallen.

Tätowierungen sind weit verbreitet. In Zukunft wird die schneidende Zunft wohl das kunstvolle Redigieren im Sinne des Patienten lernen müssen. Harro Albrecht