Wien

Wie es ihm geht? Danke, wieder ganz gut. Ein wenig abgehetzt wirkt er vielleicht. Sein Terminkalender ist ziemlich dicht: 9.15 Uhr Metnitz, 10.15 Uhr Friesach, 11 Uhr Meiselding, 11.45 Uhr Guttaring. Es scheint, als wolle Jörg Haider in diesen Tagen jedem Kärntner Wähler noch zweimal die Hand schütteln. Jörg Haider? Hatte der nicht auch Saddam Hussein zweimal die Hand geschüttelt? Und hatte seine rechtspopulistische FPÖ bei den letzten Nationalratswahlen in Österreich nicht zwei Drittel der Stimmen verloren?

Aber halt! Kommendes Wochenende werden die Landesfürsten von Kärnten und Salzburg neu bestellt, und dabei könnte – wieder einmal – der politisch längst tot geglaubte Haider triumphieren. In den Umfragen jedenfalls liegt er nur ganz knapp hinter seinem sozialdemokratischen Herausforderer.

Dabei präsentiert sich Haider diesmal als "Rechtspopulist light". Ausländerfeindliches oder gar Antisemitisches kommt ihm nicht über die Lippen. Dafür verspricht er "Geburtenprämien" und "Mütterpensionen". Neulich lud er gar ein paar Rentner zu sich, um ihnen persönlich ein paar Euro zuzustecken. Damit diese gemeine Pensionsreform für Österreichs Bezieher von Mindestrenten nicht gar so hart ausfällt. Dass Haiders FPÖ diese Kürzungen in Wien mitbeschlossen hatte, war längst vergessen. Längst verdrängt auch, dass er die NS-Beschäftigungspolitik als "ordentlich" lobte, SS-Veteranen als "anständig" pries oder mit Bankdirektoren ins Zelt des libyschen Diktators Muammar al-Ghaddafi schlüpfte.

Die Kärntner, die so einem Politiker nicht wirklich böse sein wollen, nannte der Präsident des Österreichischen Verfassungsgerichtes einmal "ein besonderes Völkchen". Das war vor zwei Jahren, als sich Haider weigerte, zweisprachige Ortstafeln für die slowenische Minderheit anzubringen, wie es die Verfassung und ein höchstrichterliches Urteil vorsahen. Der Landeshauptmann selbst schraubte die zweisprachigen Verkehrstafeln ab, was offenbar gut ankam. In Kärnten, wo man laut Landeshymne "mit Blut die Grenze schrieb" , gibt es etwa den 35000 Mann starken Abwehrkämpferbund, der noch immer die Schlachten gegen die jugoslawischen Truppen nach dem Ersten Weltkrieg besingt und offen gegen "Slowenisierung" wettert. Jedes Jahr treffen sich die Deutschtümler mit SS-Veteranen am Ulrichsberg, um der gefallenen Helden zu gedenken. Die Entnazifizierung, das geben selbst Wohlmeinende zu, hat hier nicht wirklich gegriffen. Bruno Kreisky, der sozialdemokratische Sonnenkönig, bemerkte einmal über seine Kärntner Parteifreunde: "Bei denen haben s’ nach 45 einfach das ‚national‘ vor dem ‚sozialistisch‘ weggestrichen." Bis Anfang der neunziger Jahre regierten die Sozialdemokraten das Land. Ihre Parteibuchwirtschaft war ein gefundenes Fressen für den Populisten Haider, der von hier aus seinen Siegeszug antrat.

"Am Kärntner Wesen", versprach Haider einst, frei nach Hitler, "soll diese Republik genesen." Vielleicht, ätzen seine Kritiker, wäre es doch besser gewesen, er hätte seine andere Vision wahr gemacht und das Bundesland als "autonomen Freistaat" vom Rest des Landes abgespaltet.