Frau Tièche, ist es nicht ein wenig merkwürdig: Ein wildfremder Mann erzählt Ihnen, dass der Ursprung des Lebens im ewigen Eis liegt, und anschließend fragt er Sie, ob Sie ein Jahr mit ihm in einer Blockhütte hausen wollen.

Wir haben ein Bier getrunken und eine Stunde lang geredet, ich habe nur gedacht: Ja, mit ihm würde ich sofort auf diese Expedition gehen. Ich weiß nicht, warum es zwischen Menschen im ersten Augenblick funkt, aber bei uns war es so. Hauke war mir schon aufgefallen, als ich in die Kneipe kam, und es hat nur zehn Minuten gedauert, bis er mich vollkommen von dieser Idee begeistert hatte. Bis zu der Expedition haben wir uns dann allerdings kaum getroffen. Abgesehen von einem Wochenende auf einer Hütte im Fjord, das wir gemeinsam verbracht haben, und einigen Touren durch die Gletscher bei Longyearbyen haben wir nur miteinander telefoniert.

Zwei Fremde allein in einer Hütte – Hollywood hätte daraus bestimmt einen Psychothriller gemacht. Hatten Sie keine Angst?

Eine Freundin von mir sagte entsetzt: Du wirst da oben eingeschlossen sein, ein Jahr lang mit einem Mann, der ein Gewehr hat! Na und, hab ich geantwortet, ein Gewehr hab ich auch.

Hauke Trinks hat mit Ihnen über die Expedition ein Buch verfasst. Sie verlieren darin kein Wort über die Art Ihres Zusammenlebens.

Es war als Freundschaft gedacht, bevor wir aufgebrochen sind. Aber Sie können nicht auf eine Expedition wie diese gehen, ohne damit zu rechnen, dass irgendwann mehr daraus werden könnte. Ein Mann und eine Frau in einer vier mal sechs Meter großen Hütte – da können Sie nicht erwarten, dass da nichts passiert.

Was wäre gewesen, wenn einer von Ihnen die Beziehung beendet hätte?