Am 1. Juli 1990 richtete der Bundeskanzler eine erbauliche Fernsehansprache an sein Volk. Es war der Tag, an dem die Währungsunion den DDR-Bürgern die D-Mark brachte. "Durch gemeinsame Anstrengungen wird es uns gelingen", prophezeite Helmut Kohl, "Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Thüringen schon bald wieder in blühende Landschaften zu verwandeln, in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt." Kohl kreierte damit ein geflügeltes Wort, doch die Landschaften blühen bis heute nicht.

Optimistisch war im Jahr 1990 auch der damalige Finanzminister Theo Waigel. Bis zu zehn Prozent der Ostdeutschen könnten im Zuge der Vereinigung arbeitslos werden, sagte Waigel. Schon im Jahr darauf war diese Marge überschritten, 2003 war die Arbeitslosenquote in den neuen Ländern fast doppelt so hoch. Offiziell lag sie bei 19,3 Prozent, tatsächlich schätzten sie Experten auf rund 25 Prozent. Denn der Osten ist ein Dorado des zweiten Arbeitsmarkts. Seit der Wende gab die Bundesanstalt für Arbeit 140 Milliarden Euro für Arbeitsmarktpolitik in Ostdeutschland aus: für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) und die damit verwandten Strukturanpassungsmaßnahmen (SAM), für Umschulung und Weiterbildung. Das half, einen Teil der Arbeitslosigkeit zu verbergen. Doch es schuf keine neuen Jobs.

Bis heute hinken die neuen Länder den alten hinterher, die Arbeitslosigkeit ist dort mehr als doppelt so hoch wie im Westen. Und: Der Abstand wird wieder größer. Für 2004 erwartet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), dass die Wirtschaft im Osten um ein Prozent wächst: "Das Wachstum wird nicht ausreichen, um das Beschäftigungsniveau zu halten."

Die Folge: Vor allem gut qualifizierte Ostdeutsche ziehen gen Westen, wo die Chance auf einen Job viel größer ist. Seit der Wende verloren die neuen Länder bereits mehr als eine Million Einwohner. Zurück blieben überproportional viele schlecht ausgebildete Menschen. Damit sinken gleichzeitig die Chancen, dass zukunftsträchtige Unternehmen dort investieren.