Private Initiative statt Aktenverwaltung, Unternehmergeist statt Bürokratie. Das war die ursprüngliche Idee der hochkarätig besetzten Hartz-Kommission. Die rot-grüne Bundesregierung machte daraus ein Gesetz. Mehr Flexibilität sollte den Arbeitsmarkt beleben, ganz im Sinne der Agenda 2010. Ein wesentlicher Baustein der Reform: Personal-Service-Agenturen, kurz PSA genannt.

Zunächst klingt alles ganz einfach. Arbeitsvermittler aus der Privatwirtschaft sollen ihre Kollegen von der staatlichen Bundesagentur entlasten. Die PSA stellen Arbeitslose befristet ein, um sie dann entweder an andere Unternehmen zu verleihen oder, besser noch, dauerhaft zu vermitteln. Für jeden, den sie beschäftigen, bekommen sie Geld vom Arbeitsamt. Die Subventionen sollen möglichst viele private Agenturen motivieren, Menschen einen Job zu beschaffen. Allein im vergangenen Jahr hat die Bundesanstalt dafür stattliche 175 Millionen Euro ausgegeben. Ein plausibles Konzept, so scheint es. Aber es versagt.

Die ersten PSAs sind schon nach wenigen Monaten am Ende. Erwischt hat es vor allem die deutsche Tochter von Maatwerk, einer niederländischen Gesellschaft. Und mit ihr fast 10000 Menschen. Deren Schicksal droht nun im Strudel der neuen Affäre um den virtuellen Arbeitsmarkt unterzugehen (siehe nebenstehenden Artikel).

Maatwerk musste Mitte Februar Insolvenz anmelden. Die Niederländer kümmern sich schon lange um ein besonders schwieriges Klientel: Langzeitarbeitslose. Und das schon seit einigen Jahren auch in Deutschland. Als die Bundesanstalt für Arbeit im vergangenen Jahr auf der Suche nach Kooperationspartnern für ihr neues Modell war, stand Maatwerk-Chef Jos Berends bereit.

Bei der Vergabe der Lizenzen erhielt er mehr Zuschläge als alle anderen Bewerber. Weil seine Firma die "wirtschaftlichste" war, heißt es in einer Erklärung der Behörde in Nürnberg. Der erste Fehler. Maatwerk soll zwar der billigste Bewerber gewesen sein, weil das Unternehmen weniger Geld verlangte als seine Konkurrenten. Von Wirtschaftlichkeit aber konnte keine Rede sein. Es mangelte an Erfahrung mit dem Verleih von Arbeitnehmern; es mangelte an Kontakten zur Wirtschaft. Und es mangelte offensichtlich an ökonomischem Sachverstand. Jos Berends hat sich schlicht übernommen. War das nicht absehbar? Warum vertraute man ihm seit April vergangenen Jahres gleich 10000 Menschen an? Unter ihnen übrigens auch gut qualifizierte.

Es musste alles ganz flott gehen. Das war der zweite Fehler. Jedes Arbeitsamt sollte sich auf die Schnelle eine PSA als Vertragspartner suchen. Die wurde zudem verpflichtet, eine bestimmte Anzahl von Arbeitslosen schon innerhalb der ersten drei Monate fest zu übernehmen. Qualitätskriterien und Konzepte der Agenturen kamen bei der Auswahl zu kurz. Es ging vor allem um die Prämie pro Kopf, die von Fall zu Fall ausgehandelt wurde. Sie variiert nicht nur von Agentur zu Agentur, die einzelnen Arbeitslosen haben auch einen unterschiedlichen Wert. Im Schnitt gibt es für jeden 1000 Euro pro Monat. Doch das sagt nicht viel aus. Hilfskräfte liegen beispielsweise bei rund 325Euro, ein Ingenieur kann hingegen fast 2500Euro pro Monat in die Kasse spülen, zuzüglich Mehrwertsteuer. Außerdem hängt die Summe davon ab, ob der Arbeitsuchende "marktgängig" ist. Und das hat unter anderem auch mit seinem Alter zu tun.

Der Geldstrom vom Amt fließt ein dreiviertel Jahr lang – und das Monat für Monat. Der dritte Fehler. Denn das verführt zu Missbrauch und Mitnahmeeffekten. Überall dort, wo es wegen mangelnder Arbeitsplätze nichts zu vermitteln gibt, setzt brutale Konkurrenz ein: zwischen jenen, die vom Amt geschickt werden, und jenen, die zuvor schon nach eigener Initiative bei einer Zeitarbeitsfirma angestellt waren. Pech für sie. Schließlich zahlt sich ihr Ersatz durch subventionierte Arbeitslose in barer Münze aus.

Es geht noch dreister. Auffällig sei, dass überraschend viele PSA ihre Beschäftigten zum Monatsende einstellten und Monatsbeginn entließen, fand das hauseigene Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) heraus. Die Erklärung: "Im Extremfall kann eine nicht erfolgreiche Verweildauer eines Beschäftigten von zwei Tagen einen Anspruch auf zwei Fallpauschalen erzeugen." Mit anderen Worten: Ein Ingenieur brächte beispielsweise in 48 Stunden fast 5000 Euro in die Kasse. Das provoziert gerade dazu, aus einer PSA eine Menschen-Umschlagmaschine zu machen. Auf Touren bleibt die allerdings nur, wenn der Nachschub nicht ausgeht. Aber das ist bei rund 4,6 Millionen Arbeitslosen kaum zu befürchten.