Jürgen Trittin und Wolfgang Clement verbindet eine innige Feindschaft. Beide, der grüne Umwelt- ebenso wie der sozialdemokratische Wirtschaftsminister, beackern das Feld der Energiepolitik, und regelmäßig kommen sie sich ins Gehege. Mal sind es die Förderparagrafen für Sonne, Wind und Wasser, mal die Kohlesubventionen, mal die Regeln für den Emissionshandel.

Der Emissionshandel ist zum Unbehagen von Clement längst europäisches Gesetz und muss nun national umgesetzt werden. Clement tut das nur widerwillig - während Trittin die Chance sieht, den Betreibern von Großkraftwerken mehr Klimaschutz schmackhaft zu machen.

Tatsächlich aber steckt hinter dem Ministerstreit, den das Kanzleramt jetzt zu schlichten versucht, ein beinharter Verteilungskampf. Schließlich bewirkt der Emissionshandel, dass die Betriebe die Lizenzen zum Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid in Zukunft gewinnbringend verkaufen können oder kostenträchtig einkaufen müssen. Einig ist sich die Industrie deshalb nur in ihrem Verlangen nach möglichst vielen Emissionsrechten. Wie diese Rechte aber auf die einzelnen Betriebe zu verteilen sind, darüber herrscht Streit.

Auch zwischen Clement und Trittin. Sie sind nun zum Konsens verdammt und deshalb der Verlockung ausgesetzt, sich zulasten eines Dritten zu einigen: des Bau- und Verkehrsministers Manfred Stolpe. Je mehr die Regierung der Industrie entgegenkommt, desto mehr Klimaschutz müssen die Hausbesitzer und Autofahrer schultern.