Wie man in Deutschland schläft und träumt? Wenn man den Leuten die Frage stellt, bekommt man Antworten, die kaum mehr als ein Achselzucken sind: Wer kann das schon wissen! – Im Bett natürlich. – Wie überall, denke ich. – Deutschland schaltet jede Nacht ab. – So weit: ganz gut.

Im Großen und Ganzen sind die Antworten nicht einmal falsch.

Wer kann das schon wissen!

Eine mögliche Definition des Schlafes lautet: der regelmäßig wiederkehrende Zustand einer jederzeit reversiblen Bewusstlosigkeit (aus dem Schlaf kann man geweckt werden, aus dem Koma nicht). Was während einer Bewusstlosigkeit in uns geschieht, wissen wir natürlich nicht, und auch Erinnerungen daran sind nicht vorhanden, mit Ausnahme weniger Traumerinnerungen. Insofern entzieht sich das nächtliche Drittel unseres Lebens tatsächlich unserer Kenntnis. Wir erinnern uns nicht einmal an das Einschlafen; die letzten Minuten davor sind am nächsten Morgen aus dem Gedächtnis getilgt. Aber wenn man die Frage wörtlich nimmt und sich mit ihr an die medizinische und psychologische Schlafforschung wendet, bekommt man durchaus Antworten. Es geht schließlich um einen radikal anderen Zustand des Gehirns, mehrere Zustände sogar, die nicht weniger interessant sind als der wache, aber noch schwerer auszukundschaften.

"Schlafforschung" – allein das Wort scheint bei manchen ein Gähnen auszulösen. Es sind die guten Schläfer, zumal solche, die für nichts Neugier aufbringen, was für sie kein dringendes persönliches Problem bedeutet. Interessant, brennend interessant wird der Schlaf aber, wenn er sich nicht mehr wie gewohnt einstellen will. Von den schlechten Schläfern bekäme man eine ganz andere Antwort: Ich weiß nicht, wie die anderen schlafen – ich selber jedenfalls wünschte nichts im Leben so sehr wie eine wieder einmal richtig durchschlafene Nacht.

Im Bett.