Ihre Heimat war im ehemaligen Warthegau - eine Kindheit mit dem Hitlergruß. Sie war fleißig, verantwortungsbewusst und wollte immer alles richtig machen - die Beste sein. So war sie Jungmädel und kam zum BdM.

Als die Russen näher rückten, musste die Familie fliehen. Der Vater galt als vermisst. Sie kamen bis Mecklenburg, dicht an die Elbe. Zuerst erschienen die Amerikaner, dann die Engländer, und dann blieben die Russen. Sie brachten den Sozialismus. Nachdem man erfuhr, was wirklich geschehen war, half man, den Staat aufzubauen. Als 18-Jährige musste sie Typhus und dann eine schwere Tbc überstehen. In der Zeit las sie Carossa, Binding und Goethe.

Als der Vater nach der Kriegsgefangenschaft, auf 85 Pfund abgemagert, zurückkam, bekam er eine Heimleiterstelle im Harz. Dort machte sie das Abitur. Ein Zitat von Engels beeindruckte sie: Und so wird im Lauf der Entwicklung alles früher Wirkliche unwirklich und An die Stelle der absterbenden Wirklichkeit tritt eine neue, lebensfähige Wirklichkeit. Diese Sätze bestimmten ihr Leben, doch das ahnte sie noch nicht.

Für sie war der Glaube an den Sozialismus und auf der richtigen Seite zu stehen wichtig. Sie wurde Mitglied der FDJ und trat in die SED ein. Sie wollte das Gegenteil von dem, was im faschistischen Deutschland geschehen war. Sie wollte nicht passiv sein, wie die Eltern es waren, sondern aktiv mitmachen und verändern, Verantwortung übernehmen. Ihr Antrieb war der Wille zur Aufrichtigkeit.

In Jena begann sie, Pädagogik zu studieren, mit dem Ziel, Lehrerin zu werden, doch bald wechselte sie zur Germanistik und Geschichte. Bald lernte sie ihren zukünftigen Mann kennen.

Aus kritischem Beobachten wurde Freundschaft. Sie hielt ihn für einen Zyniker und Spötter. Er hatte erfahren, dass sie Klassenbeste und streberhaft sei.

Doch er beeindruckte sie mit seinen literarischen Kenntnissen, gab ihr Rilke, und bald lasen sie gemeinsam Remarques Arc de Triomphe.