Bis Dienstag lebte John Edwards Präsidentschaftskandidatur von der Erwartung. Er hatte gezeigt, wenn auch nur einmal, dass er eine Vorwahl der Demokraten gewinnen kann. Zunächst weit zurückliegend, holte er in mehreren Bundesstaaten rasant auf - mit Hilfe von Charme und Populismus. Immer schien es, als könnte er es mit einem seiner Wahlkampfspurts noch schaffen, vielleicht beim nächsten Mal. Edwards fühlte sich in Lauerstellung und warnte den Spitzenreiter: "Was man im Spiegel sieht, ist näher, als es scheint."

Jetzt hat Edwards erkennen müssen: Der Spiegel, in dem er zu sehen ist, wird der Rückspiegel bleiben. John Kerry fährt voraus. Seit Dienstag, dem "Super-Tuesday", helfen keine Erwartungen mehr, nur noch Siege. Gut die Hälfte aller Delegierten für den Nominierungsparteitag sind an diesem Tag vergeben worden. Weil Edwards den Durchbruch nicht schaffte, hat er noch in der Nacht zum Mittwoch aufgegeben. Er erspart der Partei damit einen verschwenderischen Dauerwahlkampf.

Es geht ein Vorwahlkampf zu Ende, der so gesittet verlief wie seit langem keiner mehr. Den Kandidaten ist es gelungen, sich nicht gegenseitig zu zerfleischen, sondern auf Bush zu zielen. So bestimmten die Demokraten monatelang die öffentliche Debatte. Sie haben einen vorzeigbaren Kandidaten gefunden und einen neuen Hoffnungsträger. Die Parteimitglieder schätzen Kerrys Erfahrung und Edwards Charisma. Viele hoffen, dass beide zum Team verschmelzen und Edwards als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten dort Stimmen holt, wo Kerry sie nicht kriegen kann: im Süden. Diese Enscheidung, taktischer und persönlicher Natur, liegt nun bei John Kerry.