Der Satz liest sich vielversprechend: "Die Mauterhebung beginnt spätestens am 1. Januar 2005." So haben es am Sonntagabend Bundesregierung und Toll Collect vereinbart, und es spricht viel dafür, dass das Gezeter und Spekulieren über die Lkw-Maut auf deutschen Autobahnen erst einmal ein Ende hat. Der Vertrag vom September 2002 ist damit bestätigt, für wechselseitige Beschimpfungen ist kein Platz mehr. Damit erwies sich als richtig, dass Verkehrsminister Manfred Stolpe vor zwei Wochen die Kündigung des Betreibervertrags einleitete und so maximalen politischen Druck aufbaute. Das konnten die Konsortialpartner, allen voran Jürgen Schrempp für DaimlerChrysler und Kai-Uwe Ricke für die Deutsche Telekom, nicht auf sich sitzen lassen. Sie eilten zum Kanzler und erfüllten die Forderungen.

Neu ist nicht der Starttermin, der war schon vor Wochen zugesagt. Aber beim leidigen Kampf um die Finanzen gab die Industrie nach. Sie zahlt höhere als die ursprünglich festgesetzten Vertragsstrafen, wenn sie diesen Starttermin nicht einhalten kann. Dazu kommt eine auf eine Milliarde Euro pro Jahr erhöhte Haftung, falls der Betrieb des einmal gestarteten Systems ausfällt. Ob Toll Collect auch für die bisher entgangenen Einnahmen aufkommen muss, soll so schnell wie möglich ein Schiedsgericht entscheiden. Toll Collect musste auf die zuletzt geforderte Haftungsdeckelung ebenso verzichten wie auf das Recht, aus dem für zwölf Jahre geschlossenen Vertrag vorzeitig auszusteigen. Vertrauensbildende Maßnahmen hatte die Regierung gefordert, sollte sie am Partner festhalten. Sie wurde nicht schlecht bedient.

Wichtig ist auch, dass am Ende der ursprüngliche Vertrag nicht angetastet wurde. Die zusätzlichen Vereinbarungen werden wohl keinem Kläger genug Munition liefern, um den Vertrag per Gericht auszuhebeln. Das hätte ein völlig neues Ausschreibungsverfahren nötig gemacht. Und der Start für eine Autobahnmaut wäre in weite Ferne gerückt. Das ist nicht mehr zu befürchten.

Jetzt kommt es also auf die Techniker an. Toll Collect hat die Stellung der Deutschen Telekom im Berliner Hauptquartier gestärkt, Siemens wird (außerhalb des Konsortiums) mehr Verantwortung übernehmen. Neue Kompetenz und neuer Schwung – beides war dringend nötig. Sowohl in der Zusammenarbeit im Konsortium als auch in der Organisation des Produktionsablaufs lief zuletzt wenig zusammen (ZEIT Nr. 10/04). Viele technische Probleme sind nach wie vor nicht gelöst, bis hin zu den Bordcomputern, ohne die nichts läuft.

Irgendwann, wenn das Mautsystem funktioniert und ganz Europa das deutsche System kaufen will (so wenigstens die Vision der Vetragspartner), darf der dann amtierende Verkehrsminister mit jährlichen Einnahmen von 2,8 Milliarden Euro rechnen. Aber dahin ist es noch ein langer Weg. Sogar Toll Collect geht davon aus, dass die komplette Version des Mautsystems, wie sie ursprünglich am 31. August 2003 eingeweiht werden sollte, nicht vor 2006 einsatzfähig ist. In der Vereinbarung vom Sonntag heißt es übrigens, die Laufzeit der reduzierten Version könne "jederzeit einvernehmlich bis zu einem weiteren Jahr vereinbart werden". Das liest sich ganz so, als ob man der Sache immer noch nicht richtig traut.