Auf meinem Küchentisch stand eine kleine Pflanze, um die ich mich nie sonderlich kümmerte. Manchmal vergaß ich auch, sie zu gießen. Eines Tages saß ich allein am Tisch und schaute die Pflanze an – und plötzlich bewegte sie sich. Ich dachte: Das kann nicht sein. Also stellte ich sie vom Tisch ins Licht auf die Fensterbank.

Am nächsten Tag, als ich mich der Fensterbank näherte, bemerkte ich, wie die Pflanze regelrecht ausschlug. Aber hier ist doch kein Wind, dachte ich, das kann doch nicht sein! Nachdem sich das gleiche Phänomen ein paar Mal wiederholt hatte, setzte ich mich mit einem Stuhl vor die Pflanze und beobachtete sie. Ich kam auf die Idee, ihr den Befehl zu geben, ein Blatt zu drehen. Sie tat es. Dann noch ein Blatt. Sie tat auch das. Ich musste weinen. Ich dachte, diese Pflanze scheint das einzige Wesen zu sein, das mich versteht. Ich stand damals unter großer Spannung.

Die Pflanze bekam einen Ehrenplatz. Ich guckte sie an und sagte: "Okay, ich mache jetzt ein Foto von dir." Da flippte sie richtig aus. Sie bewegte die Blätter wie Peitschen.

Dieses Erlebnis hat zu einer regelrechten Wiedergeburt geführt. Von nun an wollte ich nichts mehr mit Menschen zu tun haben. Ich rief meine Krankenversicherung an: "Sie sind entlassen." – "Wieso denn?", fragte der Mann am Telefon. Ich sagte: "Die Ärzte machen alle um sechs Uhr Feierabend. Ich aber habe einen Arzt, der behandelt mich auch nachts um zwei und kostet gar nichts. Ich brauche Sie nicht mehr." Das war der praktische Effekt der Telepathie mit einer Pflanze.

Das Feedback, das man von anderen Menschen bekommt, können einem auch Maschinen geben. Oder das Internet. Ich habe mit Musikern im Netz zusammengearbeitet. Plötzlich hatte ich ein 23-köpfiges Orchester.

Virtuell zu spielen ist viel gesünder, als sich mit einer wirklichen Band zu treffen. Du ärgerst dich nicht mehr über dreckige Kaffeetassen, du ärgerst dich nicht mehr darüber, dass dir jemand seinen Rauch ins Gesicht bläst oder ständig seine dämliche Freundin mit ins Studio bringt. Wie viele Bands sind an solchen Dingen schon zerbrochen?

Ich stehe noch immer mitten in einem Abenteuer mit der Technik. Aber zugleich muss ich oft an einen Satz denken, den unser Schlagzeuger Jaki Liebezeit mal sagte, als ich seiner Meinung nach zu viele unnötige Noten gespielt hatte. Er erinnerte mich gern daran, dass mein Name aus dem Polnischen stammt und auf Deutsch so viel bedeutet wie "Suche". Jaki sagte: "Du solltest besser mal etwas finden. Du musst den einen Ton finden. Das reicht." Diese Worte sind mir wirklich in die Knochen gefahren.