Das Problem der sowjetischen Bodenreform in der (damaligen) Bundesrepublik ist bereits in den fünfziger Jahren durchdacht und bis zu den Obergerichten durchprozessiert worden. Diese Bodenreform gilt in einem winzigen Teil der alten Bundesrepublik bereits von Anfang an. Das liegt an dem Barber-Lyashenko-Abkommen vom Spätherbst 1945.

Dieses Abkommen zwischen dem britischen Militär-Gouverneur in Schleswig-Holstein und dem sowjetischen Militärbefehlshaber in Mecklenburg legte die Grenze zwischen den Besatzungszonen neu fest. Die heutige Grenze zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ist nämlich nicht die alte Grenze. Vielmehr fand im Spätherbst 1945 zwischen beiden Besatzungszonen ein Gebietsaustausch statt, um die Abgrenzung praktikabel zu machen. Sie so genannten Schaalsee-Dörfer fielen an die Sowjetzone, weil sie keine Landverbindung nach Westen hatten - dafür gab die Sowjetzone vier Dörfer im Westen Mecklenburgs an die britische Zone ab: Ziethen, Mechow, Bak und Römnitz. Alle vier gehören heute zum Kreis Lauenburg in Schleswig-Holstein.

Nun war aber zum Zeitpunkt des Gebietsaustausches in diesen Dörfern die so genannte Bodenreform bereits durchgeführt. Die britische Militärregierung verfügte, dass es dort dabei zu bleiben habe.

Nach der Gründung der Bundesrepublik 1949 versuchten die enteigneten Grundbesitzer, ihr vormaliges Eigentum zurückzuerhalten. Sie klagten gegen die Neubauern wegen "ungerechtfertigter Bereicherung". Der Prozess ging bis zum Bundesgerichtshof. Die Klage wurde abgewiesen, Begründung: Es ist der Bundesrepublik grundsätzlich verwehrt, über Recht oder Unrecht von Maßnahmen der Besatzungsmächte zu entscheiden.

Daraufhin unternahmen die Geschädigten einen zweiten Prozessgang. Sie klagten vor den Verwaltungsgerichten mit folgender Argumentation: Die vier so genannten mecklenburgischen Dörfer gehörten gar nicht eigentlich zur Bundesrepublik, das Land Schleswig-Holstein als Gründungsmitglied verwalte diesen Teil Mecklenburgs sozusagen treuhänderisch. Folglich wären die Gründungsbedingungen der Bundesrepublik dort nicht anwendbar. Auch diese Klage wurde höchstrichterlich vor dem Bundesverwaltungsgericht abgewiesen.

Die Unterlagen liegen im Staatsarchiv in Kiel.

Konsequenz: Würden die Alteigentümer in dem Beitrittsgebiet in ihre Eigentumsverhältnisse wieder eingesetzt, so müsste logischerweise dasselbe auch im Kreise Lauenburg geschehen.