Das Wahlrecht ist heilig, aber auch der Wahlzwang? In diesem Jahr stehen bekanntlich 14 Wahlen auf dem Programm, von E wie Europa bis K wie Kommunal.

Vor zehn Jahren waren es sogar 19, statistisch alle 18,25 Tage eine. Müssten die Deutschen 14- oder 19-mal im Jahr eine Steuer-Erklärung ausfüllen, würden sie den Reichstag stürmen. Als brave Demokraten aber ziehen sie wie in diesem Jahr alle 26,07 Tage (statistisch) zur Wahlurne.

Gut auch für die Demokratie, wenn man diese als repräsentative, also als Gegenteil vom (fast) tagtäglichen Plebiszit versteht? Die Folgen sind bekannt. Die politische Klasse hangelt sich von Termin zu Termin - die unangenehmen Wahrheiten werden verhübscht, versteckt oder verschoben. Der Kalender lähmt, das Land lahmt. Und das Volk wendet sich ab mit Grausen von dem unwürdigen Spiel um den Bundespräsidenten, wo nicht der/die Beste gekürt, sondern der Hamburger Wahlausgang zum Diktat (oder Vorwand) wird.

Warum nicht alle Wahlen - Bund, Land, Kommune - auf den ersten Sonntag im Oktober legen? Das "höhlt den Föderalismus aus", wie Edmund Stoiber wähnt?

Dann müsste der amerikanische, wo fast alle Wahlen am selben Tag im November stattfinden, längst ein zentralistisches Monstrum sein. Was ist, wenn eine Koalition zerbricht? Dann wird außerplanmäßig gewählt, aber die Regierung bleibt nur bis zum nächsten Wahltag im Amt. Das Grundgesetz? Art. 39 müsste leicht verändert werden, aber welch ein Gewinn für die Demokratie: Die Damen und Herren Abgeordneten könnten sich vier Jahre lang aufs Regieren konzentrieren.