Martin Walsers neuer Roman Der Augenblick der Liebe soll im Herbst bei Rowohlt erscheinen. Walser, der 1955 sein erstes Buch im Suhrkamp Verlag veröffentlichte, hat sich in einem Offenen Brief (abgedruckt im Spiegel) von den Mitarbeitern des Verlags verabschiedet und sich für die "illusionsfördernde Fastzärtlichkeit" bedankt, die ihm all die Jahre entgegengebracht worden sei. Er nennt die Konflikte, die ihn zum Verlagswechsel veranlassten, vor allem den Streit um seinen Roman Tod eines Kritikers (2002). Die zwei Mitarbeiter, die damals versucht hätten, ihm "das Bleiben zu ermöglichen", seien nicht mehr da. Gemeint sind der Verlagsleiter Günter Berg, der zu Hoffmann & Campe geht, und der Lektor Thorsten Arend.

Walsers Dank und Abschied sind gekennzeichnet durch eine illusionsfördernde Fastgenauigkeit, die den fundamentalen Zwist zwischen ihm und der neuen Suhrkamp-Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz durch Verschweigen sichtbar macht. Ist der Vorgang von öffentlichem Interesse? Auch das generell heftige Kommen und Gehen im Hause Suhrkamp (die Abteilungen Vertrieb, Marketing und Presse werden neu besetzt)? Es muss uns nicht kümmern. Autoren wechseln Verlage, Verlage wechseln Autoren. Walser-Lesern dürfte der Erscheinungsort gleichgültig sein, den Nichtlesern sowieso. Die Frage, ob man dem Rowohlt-Chef Alexander Fest gratulieren, Ulla Unseld-Berkéwicz aber kondolieren sollte bzw. umgekehrt, erinnert an Hofmannsthals ironische Bemerkung, beim gegenwärtigen Zustand der Literatur sei durch Konversation mehr zu erreichen als durch Publikation.