In den Niederlanden werden fünf landesweite Qualitätszeitungen verkauft. Während in Deutschland diskutiert wird, wie eine größere Konzentration der Branche erlaubt und Pressevielfalt gesichert werden soll, stehen die Niederlande am Ende dieser Entwicklung.

Dort geht es um das Unternehmen PCM Uitgever, den zweitgrößten Zeitungsverlag des Landes und Besitzer von Volkskrant (Auflage: 325 133), NRC Handelsblad (271 490), Allgemeen Dagblad (315 755) und Trouw (124 807). Acht Jahre ist es her, dass - mit Ausnahme des Telegraaf - alle bedeutenden Zeitungen des Landes in einem Konzern zusammengefasst wurden: eine Druckerei, ein Vertrieb, eine Anzeigenabteilung, dafür vier strenge Redaktionsstatuten.

Ökonomisch gesehen könnten derzeit nur NRC Handelsblad und Volkskrant überleben. Sie bringen trotz Krise immer noch rund zehn Prozent Rendite. Was mit den anderen Zeitungen geschieht, wenn ein Finanzinvestor einsteigt, ist ungewiss. PCM Uitgever muss seinen Mehrheitsanteil verkaufen, um sein profitables Schulbuch-Geschäft zu schützen und seine Schulden zu verringern.

Aber an wen? "Zeitungen sind mehr als nur Betriebseinheiten", sagt auch Theo Bouwman, der Chef von PCM. Immerhin ist Trouw im Jahre 1943 aus dem Widerstand gegen die deutschen Besatzer entstanden.

Doch der Druck ist groß. Vor fünf Jahren scheiterte der Börsengang. Dann brach der Anzeigenmarkt um zwanzig Prozent ein, die Abonnentenzahlen gingen zurück, aus den gescheiterten Internet-Aktivitäten verbuchte der Verlag fast zwanzig Millionen Euro Verlust. Fünf Übernahmeaspiranten sind noch im Rennen: die britischamerikanischen Finanzinvestoren Apax, Candover, Providence und Warburg Pincus sowie das belgische Medienunternehmen Persgroep. Den niederländischen Konkurrenzverlagen versperrt das Kartellrecht den Zugriff.

Ende März fällt die Entscheidung.