Jörg Haider ist zurück. Oder besser: er darf bleiben. 42,7 Prozent der Kärntner wollen den totgesagten Rechtspopulisten weiter als Landeshauptmann sehen. Sein fulminanter Wahlerfolg von 1999 wurde in letzter Sekunde – und zu aller Überraschung – noch weiter ausgebaut. Das südliche Bundesland, geprägt von deutschnationalen Abwehrkämpfervereinen und der braun gebrannten "Wörthersee-Schickeria", scheint sehr schnell zu verzeihen. Vergessen die Zeiten, als Haider Saddam Hussein zweimal "privat" die Hand schüttelte oder mit Ressentiments gegen die "Ostküste" punktete. Mit großem persönlichen und finanziellem Einsatz (in Kärnten wurde doch tatsächlich Bargeld an potenzielle Wähler verteilt) gelang es dem "Feschisten", den überheblichen und bereits siegessicheren sozialdemokratischen Apparatschik Peter Ambrozy weit hinter sich zu lassen.Was bedeutet Haiders Triumph? Für Europa nicht viel. Der "Fuchs im Hühnerstall" (Haider über sich selbst) mag in Kärnten – dank schwacher Herausforderer – als Person beliebt sein, seine FPÖ ist und bleibt auf Bundesebene nach wie vor abgeschlagene dritte Kraft. Bei den Landtagswahlen in Salzburg wurde die Partei soeben halbiert.Halbiert – und hier wird es erst so richtig spannend – wurde in Kärnten aber auch Wolfgang Schüssels Volkspartei. Bei den letzten bundesweiten Wahlen war sie noch haushohe Gewinnerin vor allen freiheitlichen Stimmen. Nun liegt die Partei in Kärnten bei elf Prozent darnieder. Ein historischer Tiefststand, verursacht von einer Kandidatin, die Schüssel persönlich favorisiert hatte. Dazu kommt ein weiterer historischer Tiefschlag in Salzburg: Im reaktionären Alpenland, in Sachen Konservativismus durchaus mit Bayern zu vergleichen, kam die SPÖ am Sonntag auf unerwartete 45 Prozent. Seit 1964 war es den Sozialdemokraten nicht mehr gelungen, ein Land "umzudrehen". Eines der Länder (und damit Teile der Hausmacht) zu verspielen – etwas Schlimmeres kann der ÖVP kaum passieren.Verantwortlich dafür zeichnet nicht nur ein unbeliebter weil abgehobener ÖVP-Landeshauptmann, sondern vor allem die junge SPÖ-Zukunftshoffnung Gabi Burgstaller. Die sympathisch wirkende Frau mit Bodenhaftung und sozialem Engagement tingelte als Landesrätin durch kleine Dörfer und dürfte den Kontakt zum Volk wirklich genießen – während der abgewählte Landeschef Franz Schausberger lieber bei Festspiel-Empfängen in der Mozartstadt das Sektglas hob, um dem Volk anschließend zu versichern, dass die Pensionsreform seines Kanzlers Wolfgang Schüssel eben "weh tun muss".Burgstaller, die auch im Lager der stark geschrumpften Salzburger FPÖ abräumte, könnte Schüssel noch ziemlich unangenehm werden. Im Gegensatz zum intellektuell redlichen, aber beim Volk unbeliebten SPÖ-Parteichef Alfred Gusenbauer, wirkt sie auch beim "kleinen Mann" überzeugend. Jetzt genießt sie auch noch das Image der roten Siegerin, die die schwarze Provinz zu erobern vermag. Schon mehren sich leise Stimmen, die Burgstaller auch bei der Nationalratswahl in zwei Jahren an der Spitze der Roten sehen wollen.Bevor es zu diesen Wahlen kommt (momentan hätte Rot-Grün auch mit Gusenbauer die Nase vorne), hat Wolfgang Schüssels ÖVP noch die Wahl um den österreichischen Bundespräsidenten zu absolvieren. Auch hier droht eine schwere Niederlage. Der Kanzler will seine stets lächelnde und etwas unbedarfte Außenministerin Benita Ferrero-Waldner als Ersatzkaiserin in der Wiener Hofburg sehen. Im bürgerlichen Lager gärt es gewaltig. Dieser Tage brachte sich – völlig überraschend – der ÖVP-nahe und äußerst angesehene Präsident des Österreichischen Rechnungshofes, Franz Fiedler, als möglicher Präsidentschaftskandidat ins Spiel. Fiedler ermittelt zur Zeit nicht nur mutig in der Steuer- und Spesenaffäre rund um Wolfgang Schüssels schicken Finanzminister Karl-Heinz Grasser, er versicherte auch gleich, bei seiner Kandidatur von "schwarzen Abgeordneten und Ministern" unterstützt zu werden. Droht ein hinterhältiger Cäsarenmord? Wolfgang Schüssel weiß davon freilich nichts. Die angeblich abtrünnigen schwarzen Minister dementieren heftig. Schüssels Koalitionspartner, Jörg Haiders FPÖ, sicherte Fiedler jedenfalls schon einmal die "volle Unterstützung" zu.