In der Besprechung des neuesten Buches von Hannes Heer findet sich gegen Ende die Behauptung seines Historikerkollegen Wolfram Wette, Jörg Friedrich sei es in seinem Buch Der Brand eigentlich darum gegangen, einer Gleichsetzung von Holocaust und Bombenkrieg das Wort zu reden (was Heer richtig erkannt habe).

Eine so unsinnige und völlig unfundierte Behauptung in der ZEIT zu finden, hat mich erstaunt. Jeder, der Jörg Friedrich kennt und sein Buch wirklich gelesen hat, weiß, dass dieser Autor keineswegs zu den Relativierern des Holocaust gehört, ganz im Gegenteil.

Es ist bedauerlich, dass so profilierte Historiker wie Wette und Heer in der Debatte um das Buch Der Brand anscheinend nur ihren lange eingeübten ideologischen Reflexen folgen. Wer den Bombenkrieg gegen Deutschland beklagt, muss auch ein Relativierer des Holocaust sein. Warum eigentlich? Der interessierte Beobachter fragt sich stirnrunzelnd, ob historische Aufklärung nicht auch heißt, das altlinke Tabu zu brechen, dass Deutsche eben nur Täter und nicht Opfer zu sein hatten. Die riesenhafte Schuld an der Ermordung von Millionen Juden und anderen Unschuldigen wird dadurch nicht relativiert, im Gegenteil: Nur das ganze Bild bietet die Chance, der Wahrheit der Geschichte ein wenig näher zu kommen.

Andreas Koch, Berlin