Wapp, die Tür von außen zugeworfen und die automatische Verriegelung gedrückt, schon blinkt der schwere Brocken; so kann er stehen bleiben. Nur noch kurz am Türgriff rütteln, was ein Reflex ist, der in der Familie liegt. Es tut sich wie erwartet – nichts.

Wobei… als der Toyota-Kundendienst den Wagen abgeliefert hat, nuschelte der Mann etwas von "abschließen" und "kompliziert". Und da der LS430 mit allen Extras mehr als 80000 Euro kostet, wäre es vielleicht nicht übertrieben, auch die andere Seite kurz zu kontrollieren. Doch am rechten Griff lässt sich nicht amtlich rütteln, er gibt nach, die Tür springt auf.

Bitte?!

Die Bedienungsanleitung ist fast so dick wie ein Taschenbuchroman und liegt im Handschuhfach, aber ein Auto verriegeln sollte können, wer es fahren will. Also noch mal die Fernbedienung drücken. Das rechte Schloss schnappt ein, herum ums Auto – links ist offen.

Das wird so nichts, die Arbeit wartet, und es wird wohl niemand glauben, dass eine Luxuslimousine offen parkt. Also bleibt der Wagen stehen, wie er ist.

Erst zwei Tage später, zwischen Seite 40 und Seite 100 der Bedienungsanleitung, reift die Erkenntnis: Das Rüttelerlebnis war kein elektronischer Defekt, sondern Folge eines beinahe peinlichen technischen Unwissens. Zu groß ist offenbar der Sprung aus dem automobilen Mittelalter in die Luxus-Neuzeit, wenn einer mit der täglichen Erfahrung eines acht Jahre alten VW Golfs den Lexus LS430 testet.

Intuitiv erschließt sich diese Autowelt nicht mehr, und weil es offensichtlich vielen so ergeht, werden allein die Funktionen des Schlüssels in mehreren Unterkapiteln des Handbuchs beschrieben. Dort steht, wo er nicht liegen sollte (in einigen Fächern und unter der Fußmatte), wann er aus dem Sensorbereich des Fahrzeugs verschwindet (in mehr als fünf Meter Entfernung) – und eben auch, dass dieser Lexus seinen Besitzer erkennt. Der Wagen spürt den Schlüssel, wenn er in der Nähe ist, und aktiviert die Automatik einige Sekunden nach dem Abschließen. Wer von diesem Moment an den Schlüssel bei sich hat und kräftig am Türgriff zieht, dem macht die Limousine auf. Fahrer mit Rüttelreflex müssen also lernen zu vertrauen oder, um sich zu vergewissern, den Schlüssel mehr als fünf Meter vom Auto entfernt ablegen – und erst danach ihr Ritual vollziehen.

Auf der Straße fällt das Miteinander hingegen leicht. Keine Minute dauert es, bis der Lexus offenbart, dass seine Entwickler die mühelose Fortbewegung zum Maß aller Dinge erhoben und eine ziemlich beeindruckende Perfektion erreicht haben. Auf den ersten Metern ist der Antrieb friedlich und behäbig. Doch sobald die Masse einmal in Schwung ist, beginnt das Gleiten mit 282 PS.