"Stop", stand leuchtend gelb auf dem verbeulten Schild an der Hauswand aus roh behauenen Feldsteinen, "entry of upper Mustang is illegal". Vielleicht hätten wir es doch ernst nehmen sollen, das Schild. Aber wir zahlten 700 Dollar, pro Person und in bar, und dann war das Betreten des Königreiches Mustang für zehn Tage ganz legal. Die Fleckchen Erde, wo die Zivilisation noch keine Spuren hinterlassen hat, sind ein rares Gut geworden, ein begehrtes Produkt, das seinen Preis hat. Jenseits der Grenze, die wie eine Zeitschleuse funktionierte, war dann alles wie bestellt archaisch: kein Strom, kein fließendes Wasser, kein Telefon, die Kinder wuschen sich die Haare mit Lehm, die Gesichter der Menschen waren so zerklüftet wie die ockerfarbenen Talwände ringsum und ihre Zähne so ruiniert wie der linke Pfeiler der Brücke, über die unser Rückweg führen sollte. Der Monsunregen, den es hier, im Regenschatten des Himalaya, eigentlich gar nicht hätte geben dürfen, hatte aus dem Kali Gandaki, dem großen dunklen Fluss der Göttin Kali, ein gefräßiges Monster gemacht. Unser Tross, 16 Reisende, 1 Verbindungsoffizier, 1 Sirdar, 4 Sherpas, 1 Koch, 7 Träger, 3 Pferdetreiber, 19 Maultiere und 2 Pferde, ein wandelndes Dorf mit Vollpension, musste sich einen anderen Weg suchen. Wovon soll ich noch erzählen?

Von dem Tee mit Yak-Butter, den wir am Hof des Königs hinunterwürgten? Von der Höhenkrankheit, die einen unserer Zähesten fast erledigt hätte? Von Tashi, Glück, unserem Pferd, das ein besoffener Sherpa in der Mitte des Flusses beinahe verloren hätte? Mit gesenktem Kopf stand es stundenlang auf einer kleinen Geröllinsel, bis der Pferdeknecht endlich einen Weg zu ihm durch die steingraue Flut gefunden hatte. Ach ja, als wir wieder dort angekommen waren, wo die Zivilisation beginnt, wären wir beinahe mit dem Flugzeug an einer Bergwand zerschellt. Ich jedenfalls halte mich seither an Stoppschilder.