Dreißig Kilometer östlich von Jo’burg macht sich unterdessen ein Mann namens Pitch Black Afro bereit. Auf seinem Schädel sitzt eine riesige Kraushaarperücke. Die linke Wange ziert eine hässliche Narbe. Die Zähne ragen kreuz und quer aus seinem Mund, vorn fehlt einer. Pitch Black Afro ist ein Typ, dem man lieber nicht im Dunkeln begegnen möchte. Links und rechts von ihm stehen zwei ähnlich verwegene Gestalten: eine Gang, die gerade losgehen will. Etwas mehr Ausdruck noch, bitte. Ja, so ist’s gut! Und Action!!!

Die Township Kwa-Thema war in den Neunzigern berüchtigt für ihre Gewalttätigkeit, jetzt wird dort ein Videoclip gedreht. Der Regisseur tut sein Bestes, den Star angemessen in Szene zu setzen. Der Star gestikuliert wild, geht ran, als wolle er sich ins Objektiv verbeißen. Erzählt wird die Geschichte eines Jungen, der sich aufs Reimeschmieden und Frauenanmachen versteht. In einem Schrottmobil fährt er vor, lässt seinen Charme durchs geöffnete Fenster sprechen. Am Ende erwählt er allerdings nicht das aufgedresste City-Girl, sondern die Ghetto-Braut mit der Riesenkrause.

Mit Pitch Black Afro, der als Thulani Ngcobo zur Welt kam, geht Kwaito zurück zu den Wurzeln: ein rauerer Sound, eine alltägliche Kulisse. Dass alles schon dasteht, spart außerdem Kosten. So sieht die Zukunft aus, sagen die Leute von Ghetto Ruff, Pitch Blacks unabhängiger Plattenfirma, die mitgekommen sind, um ihren Künstler moralisch und logistisch zu unterstützen – no bullshit, die Zeit der wahren Talente ist gekommen! Der Township-Jugend soll’s recht sein. In Scharen belagert sie den Set. Wer als Statist mit aufs Bild darf, gehört zu den Helden des Tages. An der Tafel, die auf den Unterbezirk "White City" hinweist, hat ein Witzbold zwei Buchstaben gelöscht. Jetzt steht dort "Hit City".

Aber auch der schönste Dreh geht einmal zu Ende. Bei Einbruch der Dunkelheit sind alle Szenen im Kasten, der Techniker macht das Licht aus. Noch eine Cola, ein letzter Handschlag, dann braust der Bus mit dem Star, der Crew und dem deutschen Journalisten zurück in die City. Zeit ist kostbar. In zwei Tagen schon soll der Rohschnitt stehen, dann geht’s ab in die Endproduktion. "War ich gut?", fragt Pitch Black. Wer den Townships einmal entkommen ist, will nie wieder dorthin zurück.