1. Taveuni, Fidschi

Taveuni, garden island, die drittgrößte Insel Fidschis, so steht es in den Broschüren. Eine Südseefantasie, dabei gibt es anderswo schönere Strände. Taveuni, Insel der Träume. Nicht meiner Träume, ich bin kein Träumer, aber ich kann mit den Leuten hier. Ich mag diese hyperaktiven Inder (vor Generationen von den britischen Kolonialherren hierher verschleppt), und ich mag Lice, die junge Frau des Volksschullehrers. Der hat bis drei Uhr morgens Videos geguckt. Weil der Generator so lange lief. Im Haus, im Dorf Somosomo, überall herrscht seit Tagen Ausnahmezustand – wegen der großen Beerdigung.

Der Morgendunst, der über der Insel liegt, scheint zu schwingen. Es sind dunkle, warme Töne, die man mehr spürt als hört. Lice hat mich auf die Muschelbläser aufmerksam gemacht, gestern, als wir losgezogen sind, um meinen Rock zu kaufen. Hörst du? Ein Trauerritual. Sie blasen rund um die Uhr, schon seit Mittwoch. Der Leichnam kommt aus der Hauptstadt, mit dem government boat.

Sieben Uhr. Das Schiff, eine mittlere Personenfähre, muss mit einem Geländewagen herangezogen werden, wegen des Niedrigwassers. Nicht ganz ungefährlich, meint ein Polizist und bittet mich, eine imaginäre, mit der Hand gezogene Absperrung zu beachten. Die Ketten knarren, die Räder des Autos schleudern Dreck auf, der Motor jault. Schließlich ist das Schiff vertäut, die Gangway gesichert, die ersten Trauergäste treten vorsichtig, blinzelnd heraus. Die Frauen tragen lange schwarze Kleider, darüber, um die Hüften, ausgefranste Bastmatten. Die Männer tragen dunkle, kurzärmelige Hemden und die für diesen Anlass vorgeschriebenen Wickelröcke. Auch ich habe die pocket sula aus steifem dunkelblauem Acryl angezogen. Dazu meine Trekking-Schuhe. Es soll heiß werden heute.

Ratu Sakuisa Lalabalavu wird von zehn kompakt gebauten, kräftigen Männern auf einen Kleinlaster verladen. Einige Trauerfrauen haben sich auf der Ladefläche niedergelassen und bewachen das wacklige, mit Matten und Blumen geschmückte Zelt, in das der mit einer Flagge bedeckte Sarg geschoben wird.

Lice und ich folgen im Taxi. Die Gesichtsfarbe des Fahrers ist dunkelgelb, besorgniserregend. Vor uns haben sich zwei mit Trauergästen und Geschenken beladene Leyland-Busse eingereiht. Die Fahrt geht vorbei an den Welitoa, dem Clan der Muschelbläser. Lalabalavu war ein Neffe des mächtigen Chiefs. Aber das allein hätte kaum genügt, um die Welitoa zu mobilisieren und das government boat und diese eindrucksvollen Sargträger in ihren frisch gebügelten Hemden. Lalabalavu war Soldat. Er ist gefallen für sein Land, für Freiheit und Demokratie.