Man muss die Schuldenproblematik in die Reformzusammenhänge stellen, die absehbar die finanziellen, wirtschaftlichen und sozialen Konflikte der Betroffenen verstärken werden. Die volkswirtschaftliche Erwartung heißt Konsum durch Kreditaufnahme. Gleichzeitig steigt die Erwartung an die Haushalte, höhere Aufwendungen zur Alters-, Gesundheits-, Vermögensvorsorge zu leisten, Familien zu gründen, Kinder zu kriegen und zu fördern.

Daneben sinkt die Zahl der Arbeitnehmer, die über ein ausreichendes durchschnittliches Einkommen aus einer Vollzeittätigkeit verfügen können. Bei den Erwerbsbereichen, in denen Vollzeitarbeit noch die Regel ist, wird massiv in die bisher tarifvertraglich gesicherten Bezüge eingegriffen, Urlaubs-, Weihnachtsgeld, Zusatzleistungen gekürzt oder ganz gestrichen, Arbeit entqualifiziert, um sie billiger zu machen. Die Einschnitte in das soziale Sicherungsysstem aus Arbeitslosengeld, -hilfe und Sozialhilfe werden mit Hartz III & Hartz IV spätestens im nächsten Jahr so drastisch ausfallen, dass in kürzester Zeit massive Einkommenseinbußen für eine immer größer werdende Zahl von Betroffenen ins Haus stehen werden.

Zwei Drittel der bürgerlichen Mittelschicht werden mit dem ständigen Risiko des freien Falls durch die weit offenen Maschen des sozialen Netzes nicht in die Hängematten fallen, sondern ungebremst auf dem längst bereiteten harten Boden gesellschaftlicher Realität aufschlagen.

Hans-Joachim Reich, Braunschweig

Die Schuld auf die Banken abzuschieben ist zu einfach. Würden Sie jemandem Geld leihen, der kurz vor dem Ruin steht? Vermutlich nicht! Wenn eine Steigerung des Kontokorrent-Zinssatzes von 10 auf 13 Prozent bei einem Unternehmen eine Pleite auslöst, ist schon vorher etwas falsch gelaufen!

Warum sollen Banken weiterhin in Unternehmen investieren, die kurz vor dem Insolvenzrichter stehen? Aus "Verantwortung für das Gemeinwohl"? Das ist nicht realistisch!

Frank Arens Köln