Ein wenig bedauere ich es, meinen Lesern anlässlich dieses vierten Wettkochens für die ZEIT die Verwendung von Schokolade zugemutet zu haben, mit dem Zusatz, dass sie möglichst nicht ständig als süßer Nachtisch in Erscheinung treten möge. Da ist so mancher Leserin vor Schreck der Schneebesen in den Zabaione gefallen. Vorwurfsvolle Briefe bekam ich ebenso wie ärgerliche Telefonanrufe aus dem Freundeskreis:

"Was hast du uns da eingebrockt? Schokolade zum Hummer, das hat sich wohl deine blöde Katze ausgedacht."

"Frau Hoffmann ist keine blöde Katze, außerdem mag sie keine Schokolade. Und von Hummer war nirgendwo die Rede!"

"Dann eben Fleisch. Was soll denn das? Erst machst du deinen Lesern die Weihnachtsgans madig, und jetzt sollen sie Milka in die Sauce raspeln!"

"Ehrlich gesagt, hatte ich nicht damit gerechnet, dass sie Vollmilchschokolade überhaupt essen."

Zweifellos ist die Schokolade von den Kinderzimmern in die Küche umgezogen. Andererseits lag das Schokoladenthema wohl in der Luft. Sogar in TV-Kochserien wurden unlängst Wildschwein und Huhn mit schokoladenbrauner Sauce vorgeführt. Jedenfalls gehört die bittere Gourmet-Schokolade Valrhona, die noch vor wenigen Jahren bei uns völlig unbekannt war, heute zur Grundausstattung in den Feinschmeckerfamilien. Das Gleiche lässt sich auch vom Ingwer sagen, der seinen ersten Auftritt im vorigen Kochwettbewerb hatte.

Die Einsendungen der ZEIT- Leser bestechen alle durch einen erstaunlich hohen Anspruch. Bio-Produkte sind ebenso selbstverständlich, wie die Teilnehmer am Wettbewerb kaum über technische Schwierigkeiten klagen. Es wird in den die Rezepte begleitenden Briefen überhaupt nicht geklagt. Die meisten empfinden die Schokolade sogar als interessante Herausforderung. Nicht selten wird eine fast transzendentale Euphorie am Herd beschrieben, die nicht selten auf Abwege führt. Da werden Anstrengungen unternommen, die dem dreifachen Rittberger beim Eiskunstlauf gleichen: Sie sind riskant, unlogisch und letzten Endes nur dekorativ.

Eigentlich sollte ich mich freuen, dass meine Leser sich an komplizierte Kreationen wagen. Aber das Komplizierte ist in der bürgerlichen Küche selten ein Gewinn. Das können die Profis besser, während der Hobbykoch sich damit meistens übernimmt. Da ist beispielsweise der aromatische Overkill, bei dem ein Dutzend verschiedene Gewürze und Kräuter ein einziges Gericht belasten! So was bringt überhaupt nichts, da schlägt das eine Aroma das andere tot. Überhaupt ist einfaches Kochen die größere Kunst. Damit meine ich nicht die Schlichtheit des Geschmacks und nicht die zählebige Margarine. Sondern Geradlinigkeit beim Kochen und keine Faxen.