Herr Adorf, hat Deutschland die Stars, die das Land verdient?

Deutschland hat keine Stars, neulich ist der letzte Star gestorben: O. W. Fischer. Heute werden Stars gar nicht mehr zugelassen. Wir sind alle schon zu greifbar, zu nah am Publikum. Star zu sein verlangt immer Entfernung. Das hat auch O. W. Fischer gesagt: weit weg von der Masse sein, sein Geheimnis bewahren.

Heute wird zum Star, wer bereit ist, all seine Geheimnisse preiszugeben?

Im Fernsehen werden auf diese Weise so genannte Stars fabriziert, dabei sind sie in Wahrheit nicht einmal Sternschnuppen. Die großen Stars sind Fixsterne. Nein, wir haben sie nicht, diese Leute, die das Publikum automatisch anziehen, egal, was sie machen. Wir haben die Filme nicht, wir haben die Industrie nicht, wir haben den internationalen Markt nicht – all das, was dazugehört, dass sich Stars etablieren können.

Welche Rolle spielt das Fernsehen?

Das Fernsehen ist das Bild unserer heutigen Gesellschaft, wie es früher das Theater war. Der geschmackliche Niedergang ist atemberaubend. Immer wenn man denkt, noch tiefer kann es doch nicht gehen, noch kleiner kann der gemeinsame Nenner doch nicht sein, stellt man fest: Auch die öffentlich-rechtlichen Anstalten bieten mit im Wettbewerb um den schlechtesten Geschmack. Damit stellen sie sich selbst infrage. Das ist erschreckend. Dieses Bild der heutigen Gesellschaft ist sehr entmutigend.

Warum stimmt trotzdem der Satz nicht: "Früher war alles besser"?