Wir haben schon auf Sie gewartet. Da begriffen wir, was es heißt, sich immer weiter von der Heimat zu entfernen, um immer weiter nach Hause zu kommen. Wir wollen die Prinzipien des Pilgerns aber nicht allzu laut predigen, denn sie haben eine teuflische Ähnlichkeit mit den Prinzipien der kapitalistischen Mobilmachung. Immer schön flexibel bleiben! Wenn Kirche sich mit der Marktwirtschaft gemein macht, wenn sie nicht darauf beharrt, dass die Gebote kein Angebot sind, sondern ein Angriff auf alle Angebote, endet sie irgendwann als Reiseunternehmen. Das Bayerische Pilgerbüro bietet bereits entsprechende Pauschalreisen an, der Titel der Werbebroschüre lautet: Reisen im Einklang mit dem Ich. Diese Art Missionierung ist vielleicht weniger falsch als ein Kreuzzug, aber falsch ist sie doch.

1522, hat uns der Wirt vom Goldenen Engel erzählt, sei Martin Luther hier eingekehrt, als er hinauf zur Wartburg wollte. Der Wirt, ein leidenschaftlicher Bergsteiger, war zu DDR-Zeiten oft auf dem damals populären Wanderweg der Freundschaft unterwegs, der führte von Eisenach nach Budapest, bei jedem Quartier gab es einen Stempel. Als wir unseren Pilgerausweis zückten, holte der Wirt eilends sein altes Stempelbuch. Dann lobten wir gemeinsam die Schönheit der Welt im Allgemeinen und die des Thüringer Waldes im Besonderen. Der Unterschied zwischen heiligmäßigem Pilgern und profanem Wandern war nicht leicht zu erkennen an einem wahrhaft ökumenischen Abend wie diesem.

Information

Wegverlauf: Der Ökumenische Pilgerweg von Görlitz nach Vacha ist mit einer gelben Muschel auf blauem Grund markiert. Sie erscheint als geklebtes oder gemaltes Zeichen. Für Radfahrer ist der Weg, zumal im Herbst, nicht überall befahrbar. Aber die Verfasser des Pilgerführers laden ausdrücklich ein, Umwege zu nehmen. Die Landkarten im Buch sind dabei hilfreich. Siehe auch www.oekumenischer-pilgerweg.de

Unterkunft: Ein einfaches Nachtlager wird von vielen kirchlichen Einrichtungen geboten, schöner ist die private Herberge. Dort wird man herzlich aufgenommen und betreut. In mittelalterlicher Gepflogenheit betete der Pilger für Herbergseltern und Weggemeinde. Heute gibt man auch eine Spende. In kommerziellen Gästebetrieben wird ein Rabattpreis gewährt. Für manche Herbergen braucht man einen Schlafsack. Stets telefonisch anmelden!

Unsere Favoriten: Elisabeth Götze, Im Stoff 21, 36404 Vacha, Tel.

036962/227 50 - Pension Maria, Purgoldweg 4, 99867 Gotha, Tel. 03621/85 61 92 - Ev. Augustinerkloster, Augustinerstr. 10, 99084 Erfurt, Tel. 0361/57 66 00 - Gasthaus Zum Goldenen Engel, Markt 7, 99819 Marksuhl, Tel. 036925/93 90 - Wasserburg Ollendorf, Lange Gasse 84, 99198 Ollendorf, Tel. 03643/50 28 97 - Infos zum Offene Häuser e. V. bei Bert Ludwig, Tel. 0172/774 69 13 oder www.openhouses.de. Mehr Adressen im Pilgerführer