Die Geschichte der Handschriften Kafkas und der Edition seiner Werke ist ebenso schrecklich und verworren wie die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Sir Malcolm Pasley spielt darin eine zentrale, eine ordnende und rettende Rolle.

Der in Indien geborene Sohn eines Lehrers lernte beim Abhördienst Deutsch, studierte Germanistik in Oxford und Zürich und lehrte am Magdalen College in Oxford. Durch Zufall lernte er Marianne Steiner kennen, eine Nichte Kafkas und dessen Erbin. Sie beauftragte ihn 1961, den Nachlass in die Bodleian Library in Oxford zu schaffen, jenen Nachlass, der fast alle Handschriften Kafkas (außer der des Proceß-Romans) enthielt und den Max Brod vor dem Einmarsch der deutschen Truppen aus Prag nach Jerusalem gerettet hatte. 1956 war er wegen der Sueskrise in ein Banksafe nach Zürich gebracht worden. So wurde der Engländer Pasley zu einem der Herausgeber der deutschen Kafka-Ausgabe, die der strenge Klaus Wagenbach "ein Musterbeispiel sorgfältiger und kenntnisreicher germanistischer Arbeit" genannt und die uns Kafkas Werke endlich in der Fassung der Handschrift geschenkt hat. Pasley, der jetzt im Alter von 77 Jahren gestorben ist, war ein liebenswürdiger, charmanter Mann von nervösem, beweglichen Geist, ein Philologe im besten, im ursprünglichen Sinn.