Dass im Straf- beziehungsweise Ermittlungsverfahren die Folterandrohung zwecks Erlangung eines Geständnisses absolut verboten ist, steht außer Frage und nicht zur Diskussion. Man ist sich aber wohl allgemein darüber einig, dass es Daschner nicht um das Geständnis einer Straftat, sondern um die Rettung eines Kindes ging. Wer auf amtliche und mediale Äußerungen angewiesen ist, um sich ein Bild von der Sache zu machen, hört auf der einen, ablehnenden Seite durchweg apodiktische Verlautbarungen im Banne politischer Korrektheit, auf der anderen, Verständnis zeigenden ungewöhnlich Zaghaftes.

Aber vielleicht will man nur nicht in einen bestimmten Geruch kommen.

Der Versuch, ein Menschenleben zu retten, ist doch wohl nicht per se sittlich zu missbilligen. Das ist nur dann anders, wenn mit der Rettungshandlung ein anderes Menschenleben, also ein gleichwertiges Rechtsgut, gefährdet wird. Wie steht es hier mit der Gleichwertigkeit? Vereinfacht gefragt: Hat der mutmaßliche Straftäter einen Anspruch auf Schmerzfreiheit auf Kosten des Lebens eines Kindes? Beides hat mit der Menschenwürde zu tun. Wenn es eine Rangfolge auf der Liste der Begriffsmerkmale gibt, möchte ich das Recht auf Leben an die erste Stelle gesetzt sehen. Der Polizist Daschner hat sich so entschieden. War diese Entscheidung unmoralisch, also sittlich zu missbilligen und damit verwerflich im Gesetzessinne?

Walter Sehring, Langen

Zwei Grundrechte kollidieren: Das Recht auf Leben eines unschuldigen Kindes und das Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit eines skrupellosen Gewaltverbrechers. Zwei erfahrene und besonnene Polizeibeamte müssen in einer Notstandssituation eine Entscheidung treffen. Sie entscheiden sich für das Kind und liefern sich damit selbst der Justiz aus. Diese Männer verdienen Achtung, Verständnis und eine gerechte Beurteilung ihres Handelns im Notstand. Wie die Behandlung der Fälle Gäfgen, Dutroux und vieler weiterer grauenhafter Verbrechen zeigt, leidet die Rechtsordnung in freiheitlich-demokratischen Rechtsstaaten durch zu viel Täterschutz, nicht durch zu viel Opferschutz.

Johann Bauch, Eichstätt

Wir leben in einem Rechtsstaat, also muss Herr Daschner verurteilt werden. Er hat den Mut gehabt, seine Verantwortung in aller Deutlichkeit über das Gesetz zu stellen. Dafür gebührt ihm das Bundesverdienstkreuz.