Deutschlands begehrteste Bank ist unscheinbar und bieder. Sie besitzt keine eigenen Filialen, kein Investmentbanking, und ihre Kunden kaufen kaum Wertpapiere. Sie residiert auch nicht am Finanzplatz Frankfurt, sondern im kleinen Bonn. Und trotzdem, schwärmen Branchenkenner, sei die Postbank "die Bank, die jeder Ausländer haben will".

Das Erfolgsgeheimnis der Postbank ist simpel. Weil sie wenige Darlehen an Unternehmen vergeben hat, ist die Gefahr von Kreditausfällen gering; weil sie ihr Geld überlegt investierte, ist ihr IT-System hoch modern; weil ihre Konditionen als günstig gelten, zählt sie 11,5 Millionen Privatkunden – so viele wie kein anderes Geldhaus in Deutschland.

Die Postbank ist der Joker im Fusionspoker der Banken. Sie ist ein wesentlicher Baustein in den Umbauplänen für den deutschen Markt, mit denen die Dealmaker der Investmenthäuser in den Vorstandsetagen ein und aus gehen. Und diese Fusionsexperten treffen auf Banker, die ganz genau zuhören.

Während ihre europäischen und amerikanischen Konkurrenten munter Rekordgewinne einfahren und nun auf Einkaufstour gehen, spüren die heimischen Geldhäuser noch immer die Folgen der vergangenen zwei Krisenjahre. Commerzbank, HypoVereinsbank und die zur Allianz gehörende Dresdner weisen sogar Milliardenverluste aus. Das macht sie zu potenziellen Übernahmeopfern.

Zwar gilt der deutsche Markt als schwierig, weil Sparkassen und Volksbanken fast 70 Prozent besetzen. Die Fusionsstrategen aber kalkulieren, dass der öffentlich-rechtliche Sparkassensektor bald aufbricht – und sich damit ganz neue Optionen eröffnen. Darauf sollten die privaten Banken vorbereitet sein, inländische wie ausländische. "Deutschland ist der größte Markt in der Europäischen Union und schon deshalb sehr interessant", sagt John Jetter, Deutschland-Chef der Investmentbank JP Morgan. Das Motto lautet: Wer hierzulande nicht stark ist, wird es auf Dauer auch in Kontinentaleuropa nicht sein.

Wenn aber die erste ausländische Bank ein heimisches Institut übernimmt, dürfte eine Kettenreaktion einsetzen. "Dann werden binnen 24 Monaten alle deutschen Großbanken nicht mehr wiederzuerkennen sein", sagt Hermann Prelle, Vorstandsmitglied der Investmentbank UBS in Deutschland.

Noch warten die Käufer, noch werden die potenziellen Kombinationen durchgerechnet und analysiert. Wer passt zu wem? Und vor allem, wer wagt den ersten Schritt? Beinahe täglich jagen Fusionsgerüchte durch die Presse: Die Deutsche Bank wird von der Citigroup gekauft. Die Deutsche Bank kauft die Commerzbank. Und Commerzbank und HypoVereinsbank gehen sowieso zusammen.