Erst ist der Zug ganz in der Ferne zu sehen. Dann kommt er näher, immer näher, und plötzlich fährt er mit entsetzlichem Dröhnen direkt auf uns zu. Die Szene spielt sich auf dem Bildschirm ab, trotzdem hat man das Gefühl, jeden Moment von dem Zug überrollt zu werden. Denn über die Mattscheibe flimmert ein 3-D-Streifen, ein Film also, der räumliches Sehen vermittelt.

Aufgenommen wurde er mit einer zweiäugigen Kamera, deren Objektive wie die menschlichen Augen ungefähr sechs Zentimeter voneinander entfernt sind. Und abgespielt wird er auf einem Fernsehgerät, das die beiden Perspektiven abwechselnd zeigt, 50-mal pro Sekunde ein Bild für das rechte, 50-mal ein Bild für das linke Auge. Damit die einzelnen Bilder wirklich im jeweils richtigen Auge landen, muss der Zuschauer eine Brille tragen, die ebenfalls 50-mal pro Sekunde abwechselnd eine Klappe vor das eine und das andere Auge schiebt. Früher geschah das mechanisch, heute benutzt man eine "Shutter-Brille", deren Gläser mit einem elektrisch schaltbaren Flüssigkristall bedampft sind. Als Standardzubehör für Computerspiele sind sie für ein paar Euro zu haben. Das Verfahren ist so simpel, dass sich die 3-D-Filme sogar mit einem ganz normalen Videorecorder aufnehmen und wieder abspielen lassen.

Fast jedes Jahr wird eine neue funktionsfähige Technik für dreidimensionales Fernsehen vorgeführt, durchgesetzt hat sich aber noch keine davon. Während wir Musikaufnahmen dank Stereotechnik schon seit den sechziger Jahren räumlich hören, ist der Fernseher eine platte Scheibe geblieben. "Es gibt einfach keinen Markt dafür", klagt der Ingenieur Herbert Schmatz, der an der Hochschule Bremen in Zusammenarbeit mit Grundig ein normales Fernsehgerät für das räumliche Sehen präpariert hat. Liebhaber findet die Technik bisher nur für Spezialanwendungen in der Medizin, bei Architekten, Ingenieuren oder bei Fans rasanter Computerspiele.

Die Krücke auf der Nase stört

Als lästig empfunden wird dabei vor allem die Brille. Weltweit arbeiten Forscher deshalb schon seit vielen Jahren an Techniken, die das Stereosehen auch ohne die Krücke auf der Nase ermöglichen sollen. Dabei werden die beiden Bilder durch Filter vor der Mattscheibe getrennt und auf das jeweilige Auge gerichtet. In Japan ist ein Notebook auf dem Markt, dessen Bildschirm je nach Wunsch eine zwei- oder dreidimensionale Darstellung liefert. Und Kamera-Handys mit dreidimensionalem Display sind dort schon über eine Million Mal verkauft worden.

Solange solche Bildschirme von einer fest vorgegebenen Position aus betrachtet werden, funktioniert die Auftrennung der Stereobilder recht gut. Doch sobald man den Kopf bewegt oder etwas zur Seite tritt, verschwimmt der räumliche Eindruck wieder. Ganz besonders aufwändige Systeme registrieren deshalb 50-mal in der Sekunde die Augenposition des Zuschauers und verschieben die Filter entsprechend. Für Spezialanwendungen in der Medizin ist diese Technik schon im Einsatz, für gemeinsames Fernsehen im Wohnzimmer taugt sie aber nicht, denn dort späht jeder aus einem anderen Winkel auf die Mattscheibe, oder die Betrachter laufen gar herum.

Die neuseeländische Firma Deep Video Imaging hat deshalb eine Alternative zur Stereoskopie erfunden. Sie setzt zwei LCD-Bildschirme übereinander. Auf dem vorderen werden nur die nahen, auf dem hinteren die fernen Objekte abgebildet, eine Software trennt die Bilder jedes beliebigen Films in nah und fern auf. So entsteht die Illusion räumlicher Tiefe unabhängig vom Blickwinkel.

Schwindelerregende Illusion