DIE ZEIT: Herr Başdere, Sie sind Geschäftsführer des Sonderforschungsbereichs "Demontagefabriken" an der TU-Berlin. Was machen Sie mit Ihrem Handy, wenn es nicht mehr funktioniert?

Bahadir Başdere: Ich werfe es sicher nicht in den Müll. Denn darin stecken Blei, Quecksilber, Kupfer – das sind alles Gefährdungspotenziale für die Umwelt. Mein Handy wird in unserer Versuchsstation für eine Demontagefabrik landen. Dort wird es automatisiert in seine Bestandteile zerlegt.

DIE ZEIT: Mit welchen Problemen müssen Sie sich dabei herumschlagen?

Bahadir Başdere: Bei den Einzelkomponenten wie Gehäuse und Leiterplatine haben Sie es mit Tausenden von unterschiedlichen Varianten zu tun. Ein Hersteller muss seine Anlagen nur auf ein oder zwei Gerätetypen abstimmen. Wir müssen unsere Maschine dagegen so flexibel gestalten, dass sie alle Modelle – egal ob von Motorola, Ericsson oder Nokia – demontieren kann. Schon heute gibt es weltweit etwa 2000 verschiedene Handytypen. Außerdem dürfen Gebrauchsspuren – Sprünge im Display oder fehlende Schrauben – den Prozessablauf nicht beeinflussen.

DIE ZEIT: Können Sie schon alle Handymodelle automatisch demontieren?

Bahadir Başdere: Nein, das geht bisher nur bei so genannten Candybar-Telefonen. Für jedes Modell braucht die Steuerung der Demontagemaschine eine eigene Software. Für vier Modelle funktioniert sie, für den Rest muss sie noch geschrieben werden. Flip-Geräte mit Klappe können wir noch nicht verarbeiten, weil sie keine Schraub-, sondern Schnappverbindungen haben. So etwas automatisch zu demontieren ist eine große technische Herausforderung. Daran arbeiten wir noch.

DIE ZEIT: Handys werden inzwischen vor allem in Südostasien hergestellt. Warum beschäftigen sich ausgerechnet die Deutschen mit der Demontage?