Jahrelang hatte der Chemiker Ching Tang im Dunkeln gearbeitet. Im Auftrag von Kodak suchte er nach einem Kunststoff, der in Sonnenkollektoren Strom erzeugen kann. Der Erfolg war äußerst bescheiden. Doch dann ging ihm 1985 plötzlich ein Licht auf. Als er eines abends die Dunkelkammer verlassen wollte, sah er, dass seine jüngste Testmischung aus zwei Kunststoffen schwach grün schimmerte. Zur Stromerzeugung eignete sich das Zeug nicht, doch sobald es unter Spannung geriet, begann es zu leuchten. Schon ein paar Volt genügten. Tang war elektrisiert. Nach einigen Tagen fand er auch eine blau leuchtende Mischung. "Es war fast wie die Schöpfungsgeschichte", schwärmte er später.

Die folgenden sieben Jahre experimentierte Tang mit immer neuen Kombinationen aus zwei, später aus bis zu sechs verschiedenen organischen Materialien, die er in hauchdünnen Schichten wie in einem Sandwich zwischen zwei elektrische Kontakte presste. Immer neue Farben konnte Tang seinen Oleds (Organische Licht Emittierende Dioden) entlocken und ihre Lebensdauer von zunächst nur wenigen Minuten auf über tausend Stunden verlängern. 1999 schließlich, 14 Jahre nach der Entdeckung in der Dunkelkammer, kam in Japan das erste Autoradio mit einem Oled-Display auf den Markt.

Inzwischen leuchten die Kunststoffe auch in den Displays teurer Digitalkameras und Rasierapparate. Und sie bringen die Außenschalen modischer Mobiltelefone zum Glänzen, die vor allem in Hongkong begeistert gekauft werden. Damit hat Tangs Erfindung seinen Geburtsort erreicht. In einem armen Dorf am Rande Hongkongs war der Chemiker auf einer Reis- und Hühnerfarm aufgewachsen, bevor er zum Studium nach Kanada kam.

Noch erzielen die leuchtenden Kunststoffe weltweit kaum mehr als 300 Millionen Euro Umsatz, doch manche Studie prophezeit ihnen eine zehnfache Steigerung schon in fünf Jahren. Im Vergleich mit den heute üblichen LCD-Flachbildschirmen aus Flüssigkristallen haben Oled-Displays nämlich mehrere Vorteile. Sie schalten bis zu 1000 Mal schneller, rasche Bewegungen verschmieren daher nicht mehr. Die Farben erscheinen klarer, kontrastreicher und heller, vor allem bei dunklem Blau ist der Unterschied deutlich. Kontrast und Helligkeit bleiben auch erhalten, wenn man nicht direkt von vorne, sondern von der Seite auf den Bildschirm blickt. Da die selbstleuchtenden Oleds keine zusätzliche Hintergrundbeleuchtung benötigen, sind die Bildschirme extrem flach. Sony hat bereits den zwei Millimeter dünnen Prototypen eines Farbfernsehers vorgestellt.

Die Glotze klebt an der Wand

Auch die Ökobilanz fällt bei Oleds deutlich günstiger aus. Konventionelle Bildröhren enthalten zur Abschirmung der Strahlung bis zu drei Kilogramm Blei und schlucken viel Energie. Noch größere Stromfresser sind Plasma-Bildschirme, die es dabei fast mit einem elektrischen Heizlüfter aufnehmen können. Doch auch ein LCD-Flachbildschirm benötigt fast 100 Watt und enthält zudem das leicht gasförmige und giftige Quecksilber. Etwa eine halbe bis eine Tonne Quecksilber im Jahr gerät so auf Deutschlands Schreibtische, schätzt Siegfried Behrendt vom Berliner Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT). Oled-Bildschirme enthalten dagegen keine gefährlichen Stoffe und bescheiden sich mit 25 Watt.

Während leuchtende Kunststoffe vor allem bei kleinen Displays in Mobiltelefonen schon bald Standard sein könnten, sind bis zur Serienproduktion größerer Bildschirme noch allerhand technische Probleme zu lösen. Erst in 10 bis 15 Jahren, schätzt Jörg Winkler vom notorisch optimistischen Industrieverband Deutsches Flachdisplay-Forum, werde es normal sein, sich eine hauchdünne Oled-Glotze an die Wand zu kleben. Einen ersten Prototyp will der französische Elektronikriese Thomson 2008 auf den Markt bringen. Dafür kooperiert Thomson mit dem Dresdner Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme. Das hatte im vergangenen Jahr den Wanderpokal für den am besten leuchtenden Kunststoff übernommen. Anders als Kodak-Forscher Ching Tang schichten die Dresdner nicht nur verschiedene Kunststoffe getrennt übereinander, sondern durchsetzen jede Schicht mit einzelnen Molekülen anderer Schichten. Diese "Dotierung" erhöht, ähnlich wie bei Halbleitern, die Effizienz der Oleds erheblich.

Noch fehlt eine geeignete Technik für die Massenfertigung der dotierten Oleds, auch ihre Lebensdauer reicht für eine Verwendung als Computer- oder Fernsehbildschirm noch nicht aus. Für beide Probleme wird im Fraunhofer-Institut eine Lösung gesucht. Der Plattenbau im Dresdner Industriegebiet stammt noch aus der DDR. Hier wurde bis 1990 der legendäre Megabit-Speicherchip U 61000 produziert, dessen Prototyp Erich Honecker 1988 stolz seinem Kollegen Michail Gorbatschow überreichte. Mit der deutschen Einheit endete die Chip-Produktion in Dresden.