Wächst der Antisemitismus in der Europäischen Gemeinschaft? Das Wiener Zentrum zur Beobachtung rassistischer und fremdenfeindlicher Tendenzen in der EU (englische Abkürzung: EUMC) hat am Mittwoch in Strassburg ihre im vergangenen Herbst angekündigte umfassende Studie über antisemitische Tendenzen vorgelegt. Danach ergibt sich ein uneinheitliches Bild der Judenfeindlichkeit in Europa. Zwar haben, so der Bericht, in dem zweijährigen Untersuchungszeitraum (2002 und 2003) in einigen Teilen der EU diverse Erscheinungsformen des Antisemitismus zugenommen. Diese Übergriffe reichten von antijüdischen oder antiisraelischen Hassattacken im Internet über Vandalismus (vor allem auf jüdischen Friedhöfen) und Wandschmierereien bis zu vereinzelten Akten physischer Gewalt gegenüber Juden. Doch nur in einigen Ländern ist die Zunahme von physischen Übergriffen signifikant. Das ist der Fall in Deutschland, Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien. In anderen Ländern Österreich, Italien, Spanien und Griechenland waren tätliche Angriffe und Gewalttaten zwar selten oder gar nicht zu verzeichnen, jedoch waren antisemitische Äußerungen in zahlreichen Aspekten des Alltags stark verbreitet. Keine nennenswerten Vorgänge, vor allem keine Gewalttaten, verzeichneten die EUMC-Beobachter für die beiden Berichtsjahre in Finnland, Irland, Luxemburg und Portugal.
kommentar: Europas Antisemitismus und die Angst der Juden
Die neue Studie des EU-Zentrums zur Beobachtung rassistischer Tendenzen zeigt ein uneinheitliches Bild des europäischen Antisemitismus – zunehmende Aggressivität in einigen Ländern, antijüdische Zwischenfälle als Randphänome in anderen. Eines aber gibt es nahezu überall: die wachsende Angst der jüdischen Bürger