Die Zeit als rotes Quadrat: "Das Gedicht zieht vorbei und stellt seinen Dichter auf einen Fels. Er sieht nicht mehr. Spricht nicht mehr. Hört nicht mehr." Ein Dichter bedichtet ein Bild. Joachim Sartorius bedichtet Max Neumann. Oder war es Max Neumann, der die Gedichte von Joachim Sartorius verbildlicht hat? In jedem Fall ist dieser kostbare Band ein seltener, geglückter Fall von Zwiegespräch: Aus Gedichten werden Bilder, Bilder spiegeln und verwandeln sich im Gedicht. "Wenn sie nicht weiter wissen, müssen die Dichter sich der Malerei zuwenden", schreibt Sartorius. Schwer zu sagen, ob Joachim Sartorius, der im Brotberuf in Berlin die Festspiele ausrichtet, nicht weiterweiß. Max Neumann jedoch, der lesende Maler aus Berlin, ist offenkundig animiert und herausgefordert vom Dialog mit der wortreichen Nachbarkunst. Das bewiesen schon die drei Künstlerbücher mit Cees Nooteboom, die ebenfalls im Kleinheinrich Verlag erschienen sind. Seine nackten Schädel und augenlosen Köpfe, die hier schrecklich und unheimlich ihr Haupt neben den Versen recken, sind mehr als nur des Schönen Anfang.

Max Neumann/Joachim Sartorius: capucelle 11 Zeichnungen, 52 Strophen - Kleinheinrich Buch- und Kunstverlag, Münster 2004 - n. p., 1100,- e