Steffi K.* war gerade 22 Jahre alt geworden. Sie hatte die Lehre in ihrer Heimatstadt Frechen abgebrochen und einen Job als Lagerarbeiterin in Köln gefunden. Sie war fleißig, verdiente ihr eigenes Geld, und wenn sie am Abend ausging, zahlte sie ihre Rechnung stets aus eigener Tasche. Nach einer Weihnachtsfeier mit ein paar Kolleginnen lernte sie im Dezember 1999 den Dachdecker Peter L.* in einem Lokal kennen. Er war genau ihr Typ, groß, kräftig, markantes Gesicht. Steffi verliebte sich in Peter, der elf Jahre älter war als sie. Sie vertraute ihm. So erzählt es jedenfalls ihr Bruder Bernd K.* Von ihm ist auch zu erfahren, dass Steffi an Peters Unschuld glaubte, als dieser plötzlich in Untersuchungshaft kam.

Damals lautete der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, Peter L. habe einer früheren Freundin auf dem Weg zur Arbeit aufgelauert, sie von hinten mit einem Elektroschock-Stab traktiert und dann gewürgt. Peter stritt alles ab, und Steffi K. besuchte ihn in der Untersuchungshaft. Die junge Frau mit den langen blonden Haaren, die sie sich auch schon mal mit knalligem Rot färbte, wollte einfach nicht wahrhaben, dass ihr neuer Freund in Wahrheit ein brutaler Schläger sein sollte. Bald darauf kam Peter L. aus der Untersuchungshaft wieder frei, das Verfahren gegen ihn wurde schließlich eingestellt. Es war Mai 2000. Steffi K. hatte noch 34 Monate zu leben.

Steffis Freunde sagen heute, sie sei eine Frau gewesen, die das Leben leicht nahm. Jedenfalls nach außen hin. Bei Gelegenheit konnte sie auch sehr "biestig" sein, wenn es etwa galt, ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Steffi war schon einmal verheiratet gewesen. Ihr erster Ehemann, von dem sie ein Kind hatte, war ihr eigentlich etwas zu lieb, "ja zu langweilig" – so sagt es ihr Bruder. Die Ehe ging zwei Monate nach der Geburt von Sohn Andrej auseinander. Bei Peter L. dagegen sei sich Steffi ganz sicher gewesen, in ihm habe sie wirklich den "Mann fürs Leben" gesehen. Umso größer der Schock für sie, als auch die neue Beziehung zu zerbrechen drohte, als Peter schließlich begann, seine Freundin zu misshandeln.

Steffi hatte Sehnsucht nach einer eigenen kleinen Familie, "einem sicheren Hafen", glaubt ihre Freundin Alexa. Die Hoffnung auf einen festen Halt habe sie immer wieder zu Peter zurückgetrieben. Womöglich sei es auch das verzweifelte Gefühl einer vermeintlich ausweglosen Lage gewesen, das Steffi veranlasst habe, sich an Peter zu klammern. Vielleicht wäre Steffi noch am Leben – wenn ihre Freunde, ihre Familie, die Polizei, wenn sie alle die warnenden Signale bemerkt hätten und ihr konsequent geholfen hätten.

In jedem zweiten Fall von Mord oder Totschlag an einer Frau ist der Täter mit dem Opfer verwandt. Meist ist es der eigene Ehemann oder auch der Freund, wie etwa im Falle der französischen Schauspielerin Marie Trintignant, 41, die im Sommer 2003 in einem Hotel in der litauischen Hauptstadt Vilnius durch Schläge tödlich verletzt wurde. Nach einem aufsehenerregenden Prozess wurde Anfang dieser Woche der französische Rockstar Bertrand Cantat, 40, zu acht Jahren Haft verurteilt. Gewalt in Beziehungen ist keine Privatsache mehr. Sie soll genauso strafrechtlich verfolgt werden wie jede andere Körperverletzung. Politik und Polizei haben auf das jahrelange Drängen der Frauenrechtlerinnen reagiert, haben alte Gesetze geändert und dazu neue beschlossen. Der Polizei ist damit ein umfangreiches Instrumentarium an die Hand gegeben, um gegen Männer, die ihre Partnerinnen misshandeln, konsequent vorzugehen (siehe Seite 19). Steffi konnte das nicht mehr helfen.