Am liebsten aß er Peanutbutter-Bananen-Sandwich. Zutaten: ein ganzes Baguette, ein Glas Erdnussbutter und drei Bananen. Und bei einer Mahlzeit konnte er Mengen verspeisen, die andere über drei Tage verteilt hätten. Um trotzdem seine Linie zu halten, nahm er bereits in jungen Jahren Appetitzügler. Doch sein Gesicht blähte sich immer weiter auf, und irgendwann passte der Bauch nicht mehr in die Glitzeranzüge. Schließlich ließ er seinen Magen operativ verkleinern – erfolglos. Im Alter von 42 Jahren starb der King of Rock an einem Herzinfarkt, der vermutlich eine Folge seines Drogenkonsums und seiner Essgewohnheiten war. Elvis Presley wog zum Schluss 118 Kilo. Böse Zungen sagen, er habe sich zu Tode gefressen.

Dabei hatte er schwere Geschütze im Kampf gegen das Übergewicht aufgefahren. Wäre eine Diät der Gesundheit nicht zuträglicher gewesen als Pillen und Chirurgie? Die meisten Dicken setzen auf eine Diät – sparen Fett, zählen Kalorien oder versuchen es mit einer Trennkost. Dass die wenigsten damit Erfolg haben, schieben sie auf ihr fehlendes Durchhaltevermögen. Oder liegt es gar an den Diäten selbst?

Muss Gesundheit nicht immer ein bisschen wehtun?

Heute weiß man: Eine mehrwöchige Fasten- oder Diätkur, sei es aus ästhetischen, gesundheitlichen oder religiösen Gründen, taugt nicht, um auf Dauer schlank zu bleiben. Unweigerlich kommt es zum gefürchteten Jo-Jo-Effekt. Zuerst purzeln die Pfunde, wenig Wochen später sind sie wieder drauf. Also muss eine langfristige Diätempfehlung her. Doch welche ist die richtige? Daran scheiden sich die wissenschaftlichen Geister.

Seit den siebziger Jahren vertritt die Ernährungswissenschaft die Lehrmeinung, für Übergewicht sei vor allem ein Zuviel an Fett verantwortlich. Wer wieder in die alten Hosen passen will – so lautete die Botschaft –, muss Fett von seinem Teller streichen. Und stattdessen kräftig bei Kohlenhydraten wie Brot, Kartoffeln und Reis zulangen. Das leuchtet durchaus ein: Fett liefert die meiste Energie, nämlich neun Kalorien pro Gramm, die bei Schreibtischtätern schnell auf den Rippen landen. In Kohlenhydraten (zu denen auch Zucker zählt) und Eiweiß steckt dagegen weniger als die Hälfte davon.

Fett galt zudem als Risikofaktor für Herzinfarkt, weil Herzkrankheiten besonders häufig in Industrieländern mit ihrer fettreichen Kost auftraten. "Low Fat" hieß daher die Devise für alle Gesundheitsbewussten. Dass fettarmes Essen weniger schmeckt, weil der Nährstoff Aromaträger ist, haben viele ergeben hingenommen. Muss Gesundheit nicht ein bisschen wehtun? Eine ganze Industrie erhob die Low-Fat-Lehre zu ihrem Dogma und beglückte die Menschen mit Magermilch und Du-darfst-Leberwurst.

Doch obwohl sich die Menschen in den Industrienationen – und vor allem in den USA – immer mehr Fett vom Munde absparten, wurden sie in den vergangenen 20 Jahren trotzdem stetig fetter und kränker. Der Mediziner Walter C. Willett von der Harvard Medical School in Boston vertritt heute die Meinung, dass die Fettsparempfehlungen nicht nur wirkungslos waren, sondern die Entwicklung zur dicken westlichen Gesellschaft sogar vorangetrieben haben.

Seit Mitte der siebziger Jahre verfolgten Willett und seine Kollegen in den drei größten epidemiologischen Studien die Ernährungsgewohnheiten von 300000 Amerikanern. Als diese Studien vor einigen Jahren ausgewertet wurden, stellten die Forscher fest, dass fettarmes Essen gar nicht so gesund war wie immer angenommen. Im Gegenteil, Menschen, die Fett mieden und dafür viel Kartoffeln und Brot aßen, litten häufiger unter Herzkrankheiten. Denn Kohlenhydrate erhöhen die Blutfette und senken das "gute" HDL-Cholesterin – und zwar mehr als gesättigte Fette. Damit fand Willett den ersten Anhaltspunkt dafür, dass nicht die Fett menge , sondern die Fett sorte für die Herzgesundheit eine Rolle spielt. Mehr noch, er rehabilitierte Fett und seine Rolle für Herzkrankheiten, Diabetes und Übergewicht.