Anja Hofmann, 33, testet in der Bundesanstalt für Materialforschung (BAM) das Brennverhalten von Kunststoffen

Es ist eine Frage der Wortwahl. Wenn Anja Hofmann über ihren Job redet, spricht sie vom Proben und Testen. Als Laie könnte man es auch Abfackeln nennen. Holz, Kunststoff, Gips anzünden und zuschauen, wie schnell sie brennen und welche Hitze sich entwickelt. Bemerken, dass Massivholz oder geschützte Kunststoffe nur langsam brennen und Gipskarton nur schwarz wird.

Weil Anja Hofmann aber Ingenieurin ist, promoviert dazu, und im Studium Physikalische Ingenieurswissenschaften die Schwerpunkte Thermodynamik und Mechanik gewählt hatte, ahnt man, dass die ganze Zündelei viel komplizierter ist.

Feuer wird auf einmal ein Element, das der Mensch zu beherrschen scheint, indem er Parameter wie Luftgeschwindigkeiten oder Temperaturen berechnet und Faktoren wie Luftfeuchtigkeit oder Entfernungen berücksichtigt. Feuer wird ein Forschungsobjekt mit dem Kürzel sbi, single burning items – einzelne Brandherde wie ein Papierkorb oder ein Sofa.

Und Feuer bekommt eine europäische Dimension. Da gilt eine österreichische Brandschutztür als schwer entflammbar; in Deutschland muss sie neu getestet werden, gilt vielleicht nur als "normal entflammbar". Im normierten Europa darf das nicht sein. Eine schwer entflammbare Brandschutztür in Österreich muss auch in Deutschland schwer entflammbar sein.

Eigentlich einfach. Praktisch müssen nun aber alle Brandschutzprodukte in ganz Europa nach vielen neu entwickelten, EU-weit standardisierten Tests klassifiziert werden. Das Neue daran: Die Brandschutzprodukte werden in einem realistischen Szenario getestet. Deshalb zündelt Anja Hofmann. Speziell den neuen Test für single burning items untersucht sie auf seine Stärken und Schwächen. Hofmann berechnete in ihrer Doktorarbeit Temperatur und Luftgeschwindigkeit des Modellbrandes, experimentierte im Brandraum. Der misst 3 mal 3 Meter und ist 4,20 Meter hoch, im 90-Grad-Winkel sind zwei Stellwände angeordnet (symbolisch für ein Zimmereck), davor ein Behälter, mit Sand gefüllt (symbolisch für den Papierkorb), der später brennen wird. Daneben ein Halter für die Testobjekte. Dann zündet die Ingenieurin die Propanflamme und schaut beim Abfackeln zu.

So, wie sie als Kind zusah, als die Zündhölzer im selbst getöpferten Tonkachelofen niederbrannten, wie sie als Praktikantin bei der BAM zusah, wie Stahlstützen, maßstabsgetreue Riesendinger, "nach 30, 60, 90 Minuten plötzlich umknickten – das ist schon spektakulär".