Zu den ungelösten Rätseln der deutschen Geistesgeschichte, so meinte einmal der Religionsphilosoph Jacob Taubes, gehört die Besinnungslosigkeit, mit der Intellektuelle wie Carl Schmitt dem Nationalsozialismus in die Hände arbeiteten. Schmitt war keineswegs ein harmloser Mitläufer oder lediglich in das NS-System "verstrickt" (FAZ). Vielmehr legte der am 1. Mai 1933 symbolträchtig in die NSDAP eingetretene Staatsrechtler einen bis heute unfassbaren apologetischen Eifer an den Tag. Bis zum Dezember 1936, so der Rechtswissenschaftler Bernd Rüthers, verfasste Carl Schmitt nicht weniger als 40 Beiträge und Artikel (Der Kampf der deutschen Rechtswissenschaft wider den jüdischen Geist), darunter Texte, die "die Herrschaft der Nationalsozialisten selbst dort begeistert rechtfertigten", wo es sich, wie im Juni 1934, um "85 von Hitler befohlene, feige Morde" an "Stabschef" Röhm und Teilen der SA-Führung handelte.
Tagebücher: Das Leben ist ein Ausnahmezustand
Einzelkämpfer in der Wolfsgesellschaft. Die erhellenden Tagebücher des jungen Rechtsgelehrten Carl Schmitt