Die Nation hat gelernt, um ihren Bestand zu bangen, sobald Friedbert Pflüger lautstark das Wort ergreift. Zweimal hat der außenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion das in den vergangenen anderthalb Jahren getan. Das erste Mal im November 2002, nach einer Sitzung des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages. In ihr hatte der Präsident des BND den Abgeordneten vorgetragen, was der Geheimdienst über die Gefährlichkeit des Iraks wusste. Die Öffentlichkeit hat das bis heute nicht erfahren. Sie sah nur, wie Friedbert Pflüger nach der Sitzung als Mensch gewordener Angstschweiß vor die Fernsehkameras trat. Die Bundesregierung, sagte er damals, verschweige der Nation die enorme Bedrohung von Saddam Husseins ABC-Arsenal.

Mittlerweile berichtete die ZEIT, dass der Informant, den der BND für die rollenden Biowaffenlabore hatte, unglaubwürdig war, seine Beweise mithin so hart wie Kräuterquark. Und siehe da, mit einem Mal verwandelt sich Pflüger in den Rächer der Betrogenen. Die Bundesregierung, tönt er jetzt, sei mitverantwortlich für den Irak-Krieg, weil der BND entweder schlecht gearbeitet oder faule Informationen an die Amerikaner übermittelt habe.

Vielleicht sollte Pflüger sich für einen Vorwurf entscheiden. Wie wär's mit diesem:

Die Bundesregierung hat die falsche Gewissheit, mit der die USA ihre Vorwürfe gegen den Irak vorbrachten, unwidersprochen gelassen. Daran sind aber die Mitglieder der Kontrollausschüsse mitschuldig, denn sie haben den Berichten des BND nicht pflichtgemäß auf den Zahn gefühlt. Eines dieser Mitglieder heißt Friedbert Pflüger.