Das "Phänomen Hitler" lässt die Autoren nicht los. In die nicht enden wollende Serie von Veröffentlichungen reiht sich jetzt auch Rafael Seligmann ein mit einer Darstellung, welche den "Hintergründen der Hingabe der Deutschen an ihren Führer" nachspüren will. In 28 Kapiteln wird der Weg des vom Autor so genannten "österreichischen Zuwanderers" nach Deutschland vom "unscheinbaren Anfang" in Braunau am Inn bis zum infernalischen Ende in Berlin verfolgt.
Vor allem geht es dem Verfasser darum herauszufinden, warum die Mehrheit der Deutschen dem Diktator bis zur beinahe letzten Minute, wenngleich auch mit unterschiedlicher Intensität, die Treue gehalten hat. Seligmann versucht die "unentwirrbare Mixtur aus Bangen, Loyalität und Liebe" zu ergründen, welche die "Gefolgschaft" mit dem Tyrannen verbunden hat. "Das Bindeglied zwischen Führer und Volk", urteilt er, "war die Angst vor der Moderne." Die Ursache der unheilvollen Verbindung zwischen Hitler und den Deutschen liege "in einem Denken, das sich nicht an der Vernunft orientierte", sondern sich im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts "einem nationalistischen Rausch" hingegeben habe. Deshalb, so argumentiert der Verfasser, habe "der Hitler-Schlüssel…in das deutsche Schloß" gepasst, habe sich der Trommler der frühen Jahre als "Vorsänger der deutschen Paranoia" entfalten können, habe er den zum Programm verdichteten Empfindungen "der zahlreichen nationalistischen Gruppen und Grüppchen in Deutschland" zu politischer Gestalt verholfen. Kurzum: Dem bei so vielen weit Verbreiteten habe Hitler die "singuläre Attraktion" verliehen. Das alles ist ebenso zutreffend wie bekannt und findet sich zudem in zahlreichen Publikationen differenzierter und mithin überzeugender abgehandelt als in diesem Buch.