Selbst bei der alten ZEIT geschehen noch Zeichen und Wunder. Elisabeth Niejahr verlässt den Chor der Markt- und Deregulierungsgläubigen, der unnachsichtigen Umverteilungskritiker und schreibt von der heraufziehenden Klassengesellschaft. Schade aber, dass die Autorin mit dem Stichwort "Langzeitarbeitslose" nur andeutet, wer denn die jetzigen und zukünftigen Armen seien. Auch das Bild der Wohlhabenden, die derzeit kaum etwas zur Finanzierung der Sozialsysteme beitrügen, bleibt seltsam unscharf. Vorschläge zur Änderung des kritisierten Zustandes findet man kaum. Immerhin: Die Autorin wagt das anstößige Wort "Erbschaftsteuer", und da man Elisabeth Niejahr als beredt und das Konkrete liebend kennt, darf man auf weitere Artikel mit handfesten Vorschlägen hoffen.

Erich Weber, Tuttlingen