Was wollen Sie mit einem Mathematikstudium? Das ist doch nichts für Frauen, und außerdem heiraten Sie doch sowieso", sagte der Berufsberater. Aber Monika Mössner-Beigel ließ sich nicht von ihrem Weg abbringen: Sie studierte ihr Lieblingsfach. Es machte ihr Spaß, mit neuen Denkweisen Lösungen für mathematische Probleme zu finden.

Der Berufseinstieg als Doktorandin bei DaimlerChrysler war trotzdem nicht einfach. Als Frau und dann auch noch als Fachfremde in der Forschungsabteilung Maschinenbau musste sie lernen, sich durchzusetzen. Denn die Kollegen glaubten, Mössner-Beigel habe die Stelle nur bekommen, weil sie eine Frau ist. Das ließen sie sie spüren. Und das verstärkte ihre Unsicherheit. "Die Kommunikation mit den männlichen Kollegen war härter als an der Uni", erinnert sie sich. Sie hielt durch.

Inzwischen erforscht Monika Mössner-Beigel, 35, das fahrdynamische Verhalten der Prototypen, die bei DaimlerChrysler entwickelt werden. Im Computer erstellt sie Modelle, mit denen die Fahrtüchtigkeit von Autos simuliert wird. Und sie hält sich immer auf dem neuesten Stand über Forschung und Entwicklung in diesem Gebiet.

In ihrem Berufszweig gehört die Mathematikerin zu einer Minderheit. Nach einer EU-Studie sind nicht einmal zehn Prozent der Forscher in der deutschen Industrie weiblich. Deutschland ist damit Schlusslicht in Europa, "ein Entwicklungsland", wie Helga Rübsamen-Waigmann sagt, die Vorsitzende einer EU-Expertengruppe zur Industrieforschung. In Frankreich liege der Frauenanteil in der Industrieforschung schon bei 20 Prozent, in Irland sogar bei 28 Prozent.

Die Gründe dafür sind vielfältig. So ist der Anteil von Absolventinnen in den für die Forschung relevanten Fächern Ingenieur- und Naturwissenschaften deutlich niedriger als in anderen EU-Staaten. Immerhin steigt er stetig; bei den Naturwissenschaften sind mittlerweile 30 Prozent der Absolventen Frauen. Meist konzentrieren sie sich auf das Fach Biologie. Bei den Ingenieurwissenschaften sind es aber gerade einmal 16 Prozent. Weitere Schwierigkeiten sieht Rübsamen-Waigmann in der nach wie vor fehlenden Unterstützung, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. "Chefs müssen erkennen, dass sie einen Fehler machen, wenn sie hoch qualifizierten Frauen mit Kindern keine Chance geben", sagt die Forschungsmanagerin.

Der Pharmakonzern Aventis hat aus diesem Fehler gelernt und bietet auch Mitarbeiterinnen mit Kindern gute Karriere- und Arbeitsmöglichkeiten. Deshalb entschied sich die Biologin Marion Zerlin als Mutter von zwei Kindern für einen Vollzeitjob bei dem deutsch-französischen Unternehmen. Aventis kam auf sie zu und bot ihr flexible Arbeitszeiten an. Wenn sie am Nachmittag für ihre Kinder da sein möchte, kann sie abends zu Hause arbeiten. Dazu stellt ihr der Arbeitgeber einen Computer mit Anschluss an das Firmennetz und übernimmt die Telefonkosten. Als Führungskraft leitet sie ein fünfköpfiges Team und ist für die Logistik bei der Vorauswahl von Arzneimittelstoffen zuständig.

Wenn Unternehmen Frauen beschäftigen, zahlt sich das für sie gleich in mehrfacher Hinsicht aus. "Teams aus Frauen und Männern sind produktiver", sagt der Personalwissenschaftler Michel Domsch von der Bundeswehruniversität Hamburg. Frauen seien außerdem dem Unternehmen treu, wenn sie bei einem Arbeitgeber den Eindruck haben, dass sie Familie und Beruf miteinander vereinbaren können.

So wie Monika Mössner-Beigel, die sich keine Sorgen um ihren Job machen musste, als sie schwanger wurde. Ihr Vorgesetzter war damit einverstanden, dass sie nach der Geburt mit halbem Stundensatz in Telearbeit überwiegend zu Hause arbeitete. Einen Tag in der Woche war sie im Unternehmen, um sich mit Kollegen und dem Team zu besprechen und die weiteren Aufgaben zu koordinieren. "Entscheidend war, dass mein Chef mich unterstützt hat." Jetzt arbeitet sie wieder Vollzeit, weil ihr Mann sich um die gemeinsame Tochter kümmert.