Drei Schwangere gleichzeitig? "Das wäre eine Prüfung Gottes, da würden wir richtig große Probleme bekommen", sagt Claudia Baumhöver. Sie leitet den Münchner hörverlag, 25 Mitarbeiter, davon 22 Frauen. Und von denen sind 18 im gebärfreudigen Alter. Derzeit gibt es drei Firmenkinder. Kein Problem, wenn die ab und zu mal mitgebracht werden. Nur die ganz süßen, ganz kleinen Babys sollten dann lieber doch zu Hause bleiben, "um nicht irgendwelche Schübe auszulösen", wie die 45-jährige kinderlose Chefin witzelt. Nicht dass sie Schwierigkeiten hätte, neue Leute zu finden. Aber: "Gerade die Frauen im Lektorat betreuen seit Jahren feste Autoren, und so eine Betreuung ist nichts, was man mal eben für ein paar Monate einem anderen überlassen kann." Tapfer fügt sie an: "Na, aber selbst dann würden wir irgendeine Lösung finden."

Nicht nur Mütter müssen ihr Berufsleben neu regeln, auch Chefs sind gefordert. Was für ein Bild machen sie sich von der berufstätigen Mama? Wann beendet sie die Babypause? Wie viel arbeitet sie? Wie flexibel kann sie sein? Natürlich ist jeder Fall individuell. Aber ein paar konkrete Vorstellungen haben auch die Arbeitgeber.

Brigitte Preuß, Personalreferentin bei der Allianz, sagt ganz deutlich: "Unternehmen wünschen sich die Mitarbeiter so schnell wie möglich zurück." Acht Wochen Mutterschutz müssen allerdings eingehalten werden. Wie viel nach der Babypause gearbeitet wird, sollte schon vorher besprochen werden – das Argument "Die Rückkehr lässt sich nicht planen" gilt nicht. Schließlich müsse der Arbeitgeber auch planen, ob und wie er eine Stelle zwischenzeitlich besetzt.

Obwohl etwa Audi die Wiedereinstellung bis zu sieben Jahre garantiert, gilt gerade für hochqualifizierte Mütter: Wer nahezu übergangslos wieder einsteigt, bleibt besser am Ball. Der Meinung ist auch Barbara David von der Commerzbank. Sie hält es allerdings für illusorisch, schon vor der Geburt detaillierte Entscheidungen über die Rückkehr zu treffen. Auch Claudia Baumhöver findet das "vermessen – zumal bei Erstgebärenden". Aber drei Monate nach der Geburt eine konkrete Planung, wie es weitergehen soll: "Das wäre toll – und fair."

Je länger Mama zu Hause bleibt und keinen Kontakt zur Firma hält, desto schwieriger wird der Wiedereinstieg: Wer länger als ein Jahr aussetzt, berichtet Ernst Reichart, Geschäftsführer Personal- und Sozialwesen bei Hewlett-Packard, "macht in den seltensten Fällen den gleichen Job wie vor der Schwangerschaft". Um in normale Arbeitsabläufe voll eingebunden zu sein, sollte man bereit sein, 20 Wochenstunden zu arbeiten. Ingrid Hofmann, die Chefin der Nürnberger Zeitarbeitsfirma Hofmann Personal Leasing und gleichzeitig Präsidiumsmitglied des Arbeitgeberverbandes BDA, hat die Erfahrung gemacht, dass sich Organisationen in drei Jahren sehr stark verändern. Deshalb rät sie: "Lieber nur ein bis zwei Tage arbeiten, dafür aber so früh wie möglich." Mit "so früh wie möglich" meint sie: am Ende der Stillzeit – nach sechs bis neun Monaten.

Und dann soll Mama lieber einen ganzen Tag arbeiten und eine Aufgabe "von A bis Z zu Ende machen", als um 12 Uhr zu gehen und die Kollegen die Arbeit weitermachen zu lassen, findet Hofmann. Sie ist Mutter einer 15-Jährigen und Chefin von 255 Mitarbeitern, davon 81 Müttern. Selbst Hofmanns Kunden suchen häufiger Zeitarbeitskräfte für zwei, drei volle Tage oder wenn halbtags, dann häufig für Nachmittage. Bisweilen mag die Arbeit vom heimischen Schreibtisch sinnvoll sein. Meist aber, sagen die Befragten nahezu unisono, sei Telearbeit eher eine Ergänzung oder Übergangsmöglichkeit. Sonst drohe Vereinsamung, und auch der "Informationsfluss" gerate ins Stocken.

Mütter, die Abteilungen leiten, sollten bei der Commerzbank ständig über Handy erreichbar sein, "das liegt auch in ihrem Interesse", sagt Barbara David. Lieber ein Kinderlachen im Hintergrund, als auf die vertraute Ansprechpartnerin zu verzichten, heißt es. Bei Audi hat man die Erfahrung gemacht: "Je detaillierter die Vorgesetzten mit ihren Mitarbeitern über Arbeitszeiten sprechen, desto besser kommen alle Beteiligten damit klar." Unter den etwa 45000 Mitarbeitern des Automobilherstellers sind derzeit 1100 Mütter mit Kindern unter sechs Jahren.

Bei der Allianz können working mums laut Brigitte Preuß punkten, wenn sie anbieten, in Randzeiten zu arbeiten, etwa freitags von 16 bis 18 Uhr, oder in Urlaubszeiten ein bisschen öfter zu kommen. Sie selbst – zwei Söhne (3 und 5), 80-Prozent-Stelle – arbeitet regelmäßig an Brückentagen. "Wer so etwas anbietet, muss auch nicht um Verständnis kämpfen, wenn er täglich um 16 Uhr geht." Wer mit Baby wieder arbeiten will, dürfe sich auch den Alltag nicht mit zu viel Sozialklimbim wie Babymassage oder Babyschwimmen voll laden – sonst falle die Rückkehr in den Job besonders schwer.